<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?><?xml-stylesheet href="http://www.blogger.com/styles/atom.css" type="text/css"?><feed xmlns='http://www.w3.org/2005/Atom' xmlns:openSearch='http://a9.com/-/spec/opensearchrss/1.0/' xmlns:georss='http://www.georss.org/georss' xmlns:gd='http://schemas.google.com/g/2005' xmlns:thr='http://purl.org/syndication/thread/1.0'><id>tag:blogger.com,1999:blog-10561958</id><updated>2011-08-31T02:54:26.096-07:00</updated><title type='text'>lemuren</title><subtitle type='html'></subtitle><link rel='http://schemas.google.com/g/2005#feed' type='application/atom+xml' href='http://defizit.blogspot.com/feeds/posts/default'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/10561958/posts/default?max-results=100'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://defizit.blogspot.com/'/><link rel='hub' href='http://pubsubhubbub.appspot.com/'/><author><name>joe milla</name><uri>http://www.blogger.com/profile/18218330153412588692</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><generator version='7.00' uri='http://www.blogger.com'>Blogger</generator><openSearch:totalResults>12</openSearch:totalResults><openSearch:startIndex>1</openSearch:startIndex><openSearch:itemsPerPage>100</openSearch:itemsPerPage><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-10561958.post-8121934588893116576</id><published>2011-08-02T04:15:00.000-07:00</published><updated>2011-08-02T04:19:51.746-07:00</updated><title type='text'>Wulf</title><content type='html'>Wulf&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wulf stand fest, ohne mit den Augen zu zwinkern.&lt;br /&gt;Wulf kannte sein Spiel.&lt;br /&gt;Langsam und behutsam legte er sein Rückgrad frei, nahm es heraus und warf&lt;br /&gt;es in hohem Bogen weg.&lt;br /&gt;Jetzt war er frei.&lt;br /&gt;Er schritt geradewegs auf&lt;br /&gt;Häuptling Brauner Stinkmorchel zu.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Häuptling Brauner Stinkmorchel erwartete ihn in vollem Harnisch an der&lt;br /&gt;Spitze des weissen Berges. Um ihn herum scharten sich seine Anhänger. Sie&lt;br /&gt;trugen schwarze, wikingerartige Stahlhelme, braungrüne Uniformen und ihre&lt;br /&gt;Gesichter hingen nach unten, als hätte jemand strategisch wichtige&lt;br /&gt;Mimiknervenstränge durchgeschnitten. Zuweilen sangen sie ein Lied und&lt;br /&gt;schütteten sich dabei gegenseitig literweise Schnaps &amp;amp; Bier über die&lt;br /&gt;Helme. Als Wulf sie alle in ihrer Gesamtheit erspähte, schoss Blut in&lt;br /&gt;seine Eichel.&lt;br /&gt;Die Sonne stand schon sehr tief an diesem Mittwintertag. Die Farben&lt;br /&gt;begannen sich zu verabschieden und wichen grautönig frostiger Kälte.&lt;br /&gt;Brauner Stinkmorchel streckte die Rechte stramm zum Gruss. Etwas zögerlich&lt;br /&gt;erwiderte Wulf die Geste. Er war jetzt ganz allein. Selbst sein Rückgrad&lt;br /&gt;hatte ihn verlassen. Wulf blickte nach oben. Er war nicht sehr gross.&lt;br /&gt;Vielleicht ein Meter achtundfünfzig.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dann liess Wulf seine Hand in die von Brauner Stinkmorchel fallen. Brauner&lt;br /&gt;Stinkmorchel schüttelte sie grob und deftig. Er lachte dabei gröhlend.&lt;br /&gt;Seine Anhänger folgten ihm wie eine Horde Bisons und nutzten die&lt;br /&gt;Gelegenheit, sich Bier und Schnaps über die Stahlhelme zu giessen. Dazu&lt;br /&gt;sangen sie folkloristische Lieder.&lt;br /&gt;"Du siehst Wulf", erhob Brauner Stinkmorchel das Wort, "meine Leute stehen&lt;br /&gt;hinter mir wie EIN Mann.!" Wulf, einst Vertreter der Kleinhändler, dann&lt;br /&gt;der mittleren Händler und jetzt der Grosshändler, nickte stumm.&lt;br /&gt;"Aber deine Leute" fuhr Stinkmorchel fort, " sind voll Gier und&lt;br /&gt;Selbstsucht.&lt;br /&gt;Ein Haufen machtgeiler Frömmler in angewichsten Unterhosen. Dir fehlt ein&lt;br /&gt;Volk, das bereit ist zu bluten."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Brauner Stinkmorchel klatschte in die Hände und grinste Wulf ins Gesicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"So what, Wulf !?"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wulf wischte sich konzetriert über seine Brillenallergikerränder, senkte&lt;br /&gt;den Blick und sprach: “Du bist der Wotan der niederen Triebe.Der Herrscher&lt;br /&gt;über Dumpfheit und Fäuste. Ein Tribun der angstbeissenden Volksseele. Dir&lt;br /&gt;gilt mein grosser Respekt."&lt;br /&gt;"Schön gesprochen", grunzte Brauner Stinmorchel sichtlich geschmeichelt&lt;br /&gt;und liess einen Krug Hopfengebräu die Kehle hinunterrinnen.&lt;br /&gt;"Und wie du so recht gesagt hast, Brauner Stinkmorchel: mir gehören die&lt;br /&gt;Potentaten in angewichsten Unterhosen. Ihr Führer heisst Globolus Maximus&lt;br /&gt;und ist ständig auf der suche nach VOLK. Er lässt gerade eine neue Münze&lt;br /&gt;prägen, um noch aggressiver und mächtiger Handel treiben zu können. Damit&lt;br /&gt;will er seine edelsteinernen Paläste vervielfachen. Für sich und seine&lt;br /&gt;Potentatenkaste.&lt;br /&gt;Dazu braucht er Unmengen Lakaien und einen dienstbaren Stab von&lt;br /&gt;Untertanen, die ihr Blut für diese Münze geben. Ansonsten wäre sie nichts&lt;br /&gt;wert, so sagt er."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Har, har, har"- röchelte Brauner Stinkmorchel und schlug sich auf die&lt;br /&gt;Schenkel.&lt;br /&gt;Es war nun stockfinster geworden. Nur wenige Fackeln erhellten den weissen&lt;br /&gt;Berg. Stinkmorchels Anhänger schütteten sich weiterhin vergorene Säfte&lt;br /&gt;überdie Helme und in die Kehle während ihr Führer offensichtlich&lt;br /&gt;elementaresverhandelte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wulf streckt jetzt beide Handteller nach oben und blickte Brauner&lt;br /&gt;Stinkmorchel das erste mal in die Augen, wobei seinem Mundwinkel ein&lt;br /&gt;Sabbertropfen entwich.&lt;br /&gt;"Und wenn du, also wir, ihm genügend willfähriges VOLK liefern, so&lt;br /&gt;verspricht er uns Ländereien und Positionen von höchstem Einfluss. Nur&lt;br /&gt;sind meine Potentaten für diese Zwecke ungeeignet. Sie werden nichts geben&lt;br /&gt;für die Münze, da sie selbst Paläste wollen. Und mein frömmlerisches&lt;br /&gt;Fussvolk ist nicht genug an der Zahl, um Globolus Maximus zufrieden zu&lt;br /&gt;stellen. Doch wenn wir uns zusammen tun ..." - Wulf hob verführerisch die&lt;br /&gt;Stimme - "dann , mein kleiner Prinz ..." - grunzte Braune Stinkmorchel und&lt;br /&gt;liess seine derbe Pranke auf Wulfs zarte Schulterblätter krachen " ...&lt;br /&gt;stehst du endlich&lt;br /&gt;ganz oben und kannst dir einen runterholen - har har har. ..."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Stinkmorchel grunzbrüllte so laut dass seine Anhänger extatisch mit&lt;br /&gt;einstimmten, sich auf die Stahlhelme schlugen und eine gehörige&lt;br /&gt;Extraportion über die Schädel gossen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Aber ..." - und jetzt wurde Stinkmorchel bedrohlich ernst und zischelte&lt;br /&gt;wie eine Schlange in Wulfs Ohr ".. das kostet. Und ausserdem muss ich mir&lt;br /&gt;eine neue Geschichte ausdenken. Denn soviel Blut haben die noch nie&lt;br /&gt;gespendet."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und Wulf wakelte mit blutgefüllter Eichel neben Brauner Stinkmorchel den&lt;br /&gt;weissen Berg hinab.&lt;br /&gt;"Vielleicht", wisperte er zaghaft, "erzählst du Ihnen, sie wären lange&lt;br /&gt;Jahre rücksichtslose Prasser gewesen und müssten das jetzt alles wieder&lt;br /&gt;gut machen?"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Har har har" - gröhlte Brauner Stinkmorchel und liess seine Wurstfinger&lt;br /&gt;zwischen Wulfs Schulterblätter donnern.&lt;br /&gt;Dahin, wo kein Rückgrad mehr war.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;°°°°°°°°°°&lt;br /&gt;Aus der Sammlung “Nulldefizit” | http://www.nulldefizit.com/&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eine Anthologie, herausgegeben von Mike Markart und Wolfgang Pollanz&lt;br /&gt;ISBN 3-900965-22-6 | Erscheint im Herbst 2001&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;edition kürbis | http://www.kuerbis.at/&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bitte achten Sie die Urheberrechte!&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/10561958-8121934588893116576?l=defizit.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://defizit.blogspot.com/feeds/8121934588893116576/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=10561958&amp;postID=8121934588893116576' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/10561958/posts/default/8121934588893116576'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/10561958/posts/default/8121934588893116576'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://defizit.blogspot.com/2011/08/wulf.html' title='Wulf'/><author><name>joe milla</name><uri>http://www.blogger.com/profile/18218330153412588692</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-10561958.post-4570250947958177923</id><published>2010-05-26T10:59:00.000-07:00</published><updated>2011-08-02T04:31:23.093-07:00</updated><title type='text'>prinz</title><content type='html'>&lt;!-- Begin #content --&gt;    &lt;!-- Begin #main --&gt;            &lt;h2 class="date-header"&gt;prinz&lt;/h2&gt;Der Prinz und sein Pferd bildeten eine normative Einheit.&lt;br /&gt;Sie bewegten sich schleppend.&lt;br /&gt;Immer entlang der horizontalen Schnittstelle.&lt;br /&gt;Immer schön von Ost nach West.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Langsam sanken die Schneeflocken im Vordergrund zu Boden.&lt;br /&gt;Ohne zu tanzen.&lt;br /&gt;Fette, große, nasse Teile.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Prinz ritt durch einen späten Februar.&lt;br /&gt;Durch die Mitte Europas.&lt;br /&gt;Und es kam ihm vor, als hätte er seit&lt;br /&gt;4 Monaten nichts als gefroren, immer und überall&lt;br /&gt;tagein, tagaus, in allen bizarren&lt;br /&gt;Varianten, die  ein abgedrehter&lt;br /&gt;Woodoo-Kobold in einem giftgalligen Bös-&lt;br /&gt;artigkeitsschub ausgebrütet haben mochte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Meist nasse, manchmal trockene, immerzu windige&lt;br /&gt;Kälteglocken hatten sich über ihn gestülpt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Seit Monaten steckte  er in einem&lt;br /&gt;schweren  Ziegenledermantel,  eine dunkle Kapuze verschluckte seinen Kopf,  purpurrote  Lederstiefel klebten  an&lt;br /&gt;den dünnen Waden und seinen Unterhosenoverall&lt;br /&gt;hatte er zu Weihnachten das letzte mal gewechselt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Seine Gelenke knirschten und schepperten&lt;br /&gt;vor Kälte&lt;br /&gt;und die Lippen waren so taubblau davon,&lt;br /&gt;daß sie sich anfühlten, wie tiefgekühlte Styroporteile.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sogar der Sabber schien daran festzufrieren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Manchmal  hechelte er fatalistisch, warf die Arme wie Flügel seitwärts und  krächzte wirres Zeug.  Was er hervorwürgte war dissonant, deprimierend  und verpuffte letztlich     inhaltsleer in der Landschaft.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Krähen saßen auf verschneiten Ästen und hatten ein gewisses Auge auf ihn geworfen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Prinz erreichte eine Weggabelung. Das Ross hielt inne.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was er sah, aus seiner Kapuze heraus und durch den Schneekristallnebel hindurch, war waldige Hügellandschaft, Felder zuweilen. Alles schmutzweiß und diffus,  praktisch ohne Konturen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er befand sich inmitten einer Vasallenkultur von Schweinezüchtern.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Verschlagene,  feindselige Charaktere mit hoher Karies- und Denunziationsrate.&lt;br /&gt;Zuweilen waren sie mit Heugabeln und Spießen hinter ihm hergewesen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Schneeflocken begannen sich  merklich  zu einem Gestöber auszuwachsen.&lt;br /&gt;Wind kam auf.&lt;br /&gt;Es wurde kälter.&lt;br /&gt;Dann fernes, sonderbares Grollen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Winter grollte der Donner etwas gedämpft.&lt;br /&gt;Das machte ihn subversiver.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Prinz kickte seine Purpurstiefel mit mäßiger Zuversicht  in den Unterbauch des Rosses und&lt;br /&gt;wählte den Weg links weiter den Bergrücken hoch.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Schneegestöber verdichtete sich zunehmend.&lt;br /&gt;Das Donnergrollen klang jetzt  wie ein dumpf verzerrtes Gitarrenriff von Stevie Ray Vaughn.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Höher hinauf wollte er.&lt;br /&gt;Am liebsten den Flocken entgegen, durch sie hindurch.&lt;br /&gt;Immer weiter bis an deren  Anfang und über ihn hinaus.&lt;br /&gt;Zu einem neuen Ende, einem neuen Anfang.&lt;br /&gt;Der Zyklus würde unendlich sein, sich über alle Maße beschleunigen und ihn schließlich durch&lt;br /&gt;die Atmosphäre und die Erdumlaufbahn hindurch  in den Weltraum  schießen.&lt;br /&gt;Bis zum Anfang aller Dinge, wo er, der Prinz, als unbewegter Beweger&lt;br /&gt;im raumzeitlichen Nirwana aufgehen würde.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ja.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Prinz  trickste sich augenblicklich in ein emotionales Vorstellungshoch.&lt;br /&gt;Ein durch Sehnsuchtsvisualisierung ausgelöster, euphorisierter Zustand, der  bis zu&lt;br /&gt;einer halben Stunde anhalten konnte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er trieb seinen Gaul  schneller nach oben.&lt;br /&gt;Die Flamingobeine des Rosses klapperten mühselig  hangwärts, die Hufe&lt;br /&gt;fuhren zittrig in den schneegedämften frostigen  Boden.&lt;br /&gt;Die pupurnen Prinzenstiefel schienen direkt  in die Brustrippen&lt;br /&gt;des Pferdes überzugehen.&lt;br /&gt;Oder umgekehrt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Fast erweckte es den Anschein als würde sein Hintern sich ein wenig aus dem Sattel heben&lt;br /&gt;und seine Füße Gewicht in die Steigbügel legen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Oben, pochte es im Prinzenkopf.&lt;br /&gt;Er wollte NACH OBEN.&lt;br /&gt;Und FRÜHER.&lt;br /&gt;FRÜHER wollte er auch.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;FRÜHER und NACH OBEN&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Da aber FRÜHER und NACH OBEN unselig  miteinander&lt;br /&gt;verknüpft waren, bekam mensch immer nur beide oder&lt;br /&gt;das Gegenteil davon.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er bekam also nicht das eine oder das andere, etwas oder gar nichts.&lt;br /&gt;Sondern etwas oder das Gegenteil von etwas.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und das Gegenteil von etwas entpuppte sich immer als viel schlimmer als gar nichts.&lt;br /&gt;In diesem Fall in Form einer gewaltigen Portion Stoßstroms, die sich unter des Prinzen Sattel entlud.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es wird erzählt, dass Blitze, die sich auf der Erde&lt;br /&gt;entladen, bis zu 10 km zurücklegen.&lt;br /&gt;Und das in beachtlichem Tempo.&lt;br /&gt;In etwa 30 Tausendeln einer Sekunde jagen sie&lt;br /&gt;von der Unterseite eines kilometerhohen Wolkenturms&lt;br /&gt;durch ein 100 Milionen Volt Habitat.&lt;br /&gt;Immer auf der Suche nach Entspannung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und dieser fand sie in einem galoppierenden Pferdearsch.&lt;br /&gt;Einen galoppimmitierenden, um genau zu sein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als alles vorbei war, bzw. von vorne begann, je nachdem, war der&lt;br /&gt;Himmel bei Gott nicht voller Geigen. Es waren vielmehr Chellos,&lt;br /&gt;die sanfte Bassläufe in Moll spielten.&lt;br /&gt;Über sie hinweg tanzten Cembalos.&lt;br /&gt;Zwischen Rauchschwaden wirbelten Schneeflocken hindurch und&lt;br /&gt;der Unterhosenoverall hatte sich von den Arschbacken des&lt;br /&gt;Prinzen gelöst.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es war unglaublich, aber der Prinz stand inmitten dieses&lt;br /&gt;bizarren Schauspiels barfuss und  auf beiden Beinen im Schnee.&lt;br /&gt;Verkohlte Teile seines Ziegenledermantels hingen wüst&lt;br /&gt;dampfend von den Schultern, seine Haarwurzeln glosten im Rythmus der&lt;br /&gt;Chellobassläufe und seine Schamhaare waren zu ein paar verrußten Spiralleichen&lt;br /&gt;verkommen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eine frittierte Krähe lag zu seinen Füßen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Prinz hatte seine Fäuste zur Deckung hoch gezogen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schlug fallweise Uppercuts, gerade Linke, gerade Rechte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;STILL.  IN.  THE.  RACE.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;dachte der Prinz.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;                                                                                                                                                                   +  +  +&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/10561958-4570250947958177923?l=defizit.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://defizit.blogspot.com/feeds/4570250947958177923/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=10561958&amp;postID=4570250947958177923' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/10561958/posts/default/4570250947958177923'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/10561958/posts/default/4570250947958177923'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://defizit.blogspot.com/2010/05/prinz.html' title='prinz'/><author><name>joe milla</name><uri>http://www.blogger.com/profile/18218330153412588692</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-10561958.post-6147788547389168168</id><published>2009-03-14T17:51:00.001-07:00</published><updated>2011-08-10T06:45:12.712-07:00</updated><title type='text'>14</title><content type='html'>14&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Phantastisch mutet es an.&lt;br /&gt;Aus Kohlenstoff zu wachsen.&lt;br /&gt;Stoff der Kohle.&lt;br /&gt;Wahnsinn pur.&lt;br /&gt;Also sprach ich.&lt;br /&gt;Tagelang.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mit jeder sprach ich&lt;br /&gt;Und jedem auch.&lt;br /&gt;Ohne zu schlafen, ohne zu essen.&lt;br /&gt;Kämpfte ich mich vor.&lt;br /&gt;Arschbacke für Arschbacke&lt;br /&gt;Kohlenstoff, schrie ich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kohlenstoff!&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Händeringend.&lt;br /&gt;Unverdrossen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schließlich kam Josefine (Dschos´fin´)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sie sprach nichts.&lt;br /&gt;Keine Silbe.&lt;br /&gt;Mit ihrem Mund.&lt;br /&gt;Spuckte sie.&lt;br /&gt;Wie ein Lama.&lt;br /&gt;Genau.&lt;br /&gt;Zwischen meine Augen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Triefender Auswurf.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich rang nach Worten, suchte Silben.&lt;br /&gt;Meine Stimmbänder versagten.&lt;br /&gt;Plötzlich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nasskalter Schweiss.&lt;br /&gt;Inkontinenz.&lt;br /&gt;New Orleans.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rückwärtsstolpernd stahl ich mich davon.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Richtung Toilette.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ganz schnell.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich lehnte an der Pissmuschel.&lt;br /&gt;Vor mir eine Kachel.&lt;br /&gt;Fut was here.&lt;br /&gt;Stand da.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Links und rechts zogen aschfahle Typen Kokain.&lt;br /&gt;Glasige Pupillen reckten sich aus schmierigen Spiegeln.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aus Kohlenstoff gewachsen.&lt;br /&gt;Shame of the carbon.&lt;br /&gt;Dachte ich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schande.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich stampfte, ich brüllte -&lt;br /&gt;No Coke - No Amphetamins !&lt;br /&gt;Haha.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Honey. Bunny. sagten sie.&lt;br /&gt;Und Bussy Bussy. Butato Butato.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Tür fiel ins Schloss.&lt;br /&gt;Grinsend.&lt;br /&gt;Von außen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wasser lief über mein Gesicht.&lt;br /&gt;Minutenlang.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich drückte meine Faust in das Spiegelglas.&lt;br /&gt;Zweimal. Dreimal.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Splitter knirschten zwischen Schuhsohlen und Bodenfliesen.&lt;br /&gt;Urinfarbene, rotstichige Lichtpartikel.&lt;br /&gt;Überall.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich trat die Tür auf.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Fratzen.&lt;br /&gt;Distinktlos beschmiert.&lt;br /&gt;Dumme, große Augen -&lt;br /&gt;zerbissene Lippen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich steuerte nach links, nach rechts.&lt;br /&gt;Suchte freien Raum.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Fand eine Bar.&lt;br /&gt;Im Foyer.&lt;br /&gt;Sprang auf sie.&lt;br /&gt;Sporen, Zügel, Wind Freiheit.&lt;br /&gt;Kopf in den Nacken.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Abflug.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein Orang Utang begann  auf mich zu feuern.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Großer Affe.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Großer.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein Querschläger erwischte mich am Brustbein.&lt;br /&gt;Tiefer Fall.&lt;br /&gt;Ich bekam keine Luft.&lt;br /&gt;Der Affe brüllte mich an.&lt;br /&gt;Sein Magazin war leer.&lt;br /&gt;Er schrie wie von Sinnen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich öffnete den Mund.&lt;br /&gt;Schloß ihn wieder.&lt;br /&gt;Wie ein Fisch.&lt;br /&gt;Mehrmals.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Leute kreischten-&lt;br /&gt;Leute urinierten.&lt;br /&gt;Leute rannten.&lt;br /&gt;Leute lagen flach am Boden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein Teil des Knochens war gesplittert.&lt;br /&gt;Blutig wie ein Schlachtschwein,&lt;br /&gt;zog ich  mich hoch an  der Bar .&lt;br /&gt;Riss eine Flasche aus der Virtrine,&lt;br /&gt;nahm einen tiefen Zug.&lt;br /&gt;Zerschlug sie am Tresen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das wars.&lt;br /&gt;Game over.&lt;br /&gt;Rattenpack.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich taumelte.&lt;br /&gt;Stand klapprig.&lt;br /&gt;Spuckte roten Saft.&lt;br /&gt;Noch ein Schub.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mista.&lt;br /&gt;Stay.&lt;br /&gt;Don´t moove.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Orang Utang wich zurück.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kohlenstofffaschist !&lt;br /&gt;- schrie ich.&lt;br /&gt;Du dreckiger Kohlenstofffaschist.&lt;br /&gt;Du miese Kohlenstoffsau, -&lt;br /&gt;lässt dich in den Arsch ficken.&lt;br /&gt;Für ein paar Silberlinge.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Shame of the carbon.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Einzeller.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Meine Knie gaben nach.&lt;br /&gt;Wie spät es wohl war?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aus Kohlenstoff gewachsen, dachte ich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Stoff der Kohle.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein Wimmern von hinten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mista Please.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dann war es still&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Beinahe.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;                                                              *   *   *&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/10561958-6147788547389168168?l=defizit.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://defizit.blogspot.com/feeds/6147788547389168168/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=10561958&amp;postID=6147788547389168168' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/10561958/posts/default/6147788547389168168'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/10561958/posts/default/6147788547389168168'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://defizit.blogspot.com/2009/03/14.html' title='14'/><author><name>joe milla</name><uri>http://www.blogger.com/profile/18218330153412588692</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-10561958.post-115213926349453190</id><published>2006-07-05T15:39:00.000-07:00</published><updated>2006-07-07T14:09:47.606-07:00</updated><title type='text'>madagaskar</title><content type='html'>&lt;pre style="margin-right: 2.88cm;"&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;&lt;b&gt;M a d a g a s k a r &lt;/b&gt;            &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Schicht für &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Schicht löste sich die Schale seines Selbstbildes wie eine Schlangenhaut.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Am Anfang spürte er Leichtigkeit, begann zu hüpfen und zu springen. Nach&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;einer Weile des Hüpfens und Springens blickte er um sich und stellte fest,&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;dass sich die Welt zu entfernen begann.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Nicht, dass er allzusehr an ihr gehangen wäre. Aber dass sie nun so&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;gleichmäßig von ihm wegzudriften schien empfand er doch etwas billig.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Anfangs zupfte er noch vermeintlich spielerisch an dem einen oder anderen&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Ende. Doch er mußte feststellen, selbst als er sich mit aller Kraft&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;dagegen stemmte: da war nichts aufzuhalten. Die Drift entpuppte sich als&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;linear und unaufhaltsam - und er selbst verblasste langsam am Horizont.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Oder sie, die Welt.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Je nach dem, welchen  Standpunkt man einnahm.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Zurück behalten hatte er nicht viel. Ein paar Klamotten aus den letzten &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Jahren, einige anachronistische Kartons mit noch anachronistischeren&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Büchern die er glaubte irgendwann mal gelesen zu haben (sicher war er&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;nicht mehr) - und zwei  verstaubte Ordner mit Dokumenten die&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;offensichtlich - bei Bedarf - seine Existenz legitimieren sollten.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Die Dokumente bestätigten offenbar seine Vergangenheit. Da hatte er dies&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;getan und einige Jahre später jenes. Keine großen Dinge.  Nur Zeugs zur&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Alltagsbewältigung.  Alte Flugtickets über Reisen an die er sich nicht&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;mehr zu erinnern vermochte. Mietverträge von Orten an denen er&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;möglicherweise  gewohnt hatte. Photos aus früheren, mehr oder weniger&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;intensiven Beziehungen deren Motivation oder Prozesse ihm völlig&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;schleierhaft und absurd vorkamen. Notizen, Aufzeichnungen und&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Kurzgeschichten die er fallweise und launisch zu Papier gebracht hatte.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Alles völlig zusammenhanglos und zu nichts Größerem gewachsen.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Wenn das Ganze mehr als die Summe seiner Einzelteile sein sollte so war es&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;bei ihm umgekehrt: Summa summarum wirkte sein existenzielles Ganzes&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;schmächtiger als  sein kleinster Teil.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Lange Zeit beobachtete er nur. Das, was wegdriftete, war ja nichts von&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Bedeutung. Ein inhalts- und kontextloses Sammelsurium an vergangenen&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Ereignissen. Die Welt eben. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Wenn die Welt augeblicklich Indien war, so schob sie sich gerade unter das&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;asiatische Festland, hob  das Himalayamassiv gegen  Himmel, irgendwo in&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;weiter Ferne,während er mit einem Palmwedelblatt in der Hand impulslos am&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Strand von Madagaskar herumstand.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Er hinterließ tiefe Abdrücke im salzig feuchtem Sand.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Wenn er sich ein wenig bewegte namen die Krebse sternförmnig reißaus.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;In der Früh peitschte ihn das gleißende Morgenlicht aus seinen Träumen und abends&lt;br /&gt;verschwand es achselzuckend, kommentarlos und dottergelb auf der gegenüberliegenden Seite.&lt;br /&gt;Da war nichts zu tun. Nichts was sich anschickte getan werden zu wollen.&lt;br /&gt;Sollte er eine Palme fällen, einen Einbaum schnitzen und der Welt nachrudern?&lt;br /&gt;Jenem kontextlosen Sammelsurium vergangener Ereignisse, das&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt; Gerüchten nach irgendwo&lt;br /&gt;da draußen, hinterm Horizont, Maulwurfarbeiten&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt; verrichtete?&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;                       &lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;*&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;&lt;i&gt;Du mußt ein Urteil fällen. Aus dem Urteil wächst die Moral und aus der&lt;/i&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;&lt;i&gt;Moral wiederum das Urteil. Sag nicht `man kann das nicht sagen`- denn das,&lt;/i&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;&lt;i&gt;was du nicht sagen kannst, entzieht sich einer künftigen Moral. Und die&lt;/i&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;&lt;i&gt;künftige Moral kann nicht zugreifen, auf das,  worüber  nicht geurteilt&lt;/i&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;&lt;i&gt;wurde &lt;/i&gt;(tse tse lung, ca.480 v. Chr.)&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Hätte er einen Superlativ anzubieten gehabt - er hätte die Karte sofort&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;gezogen: hier mein Superlativ ! er kostet 150 euro plus Mehrwertssteuer&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;am  Tag - book it or leave it.  Aber da war nichts. Und was wenn er die&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;150 plus Mehrwertsteuer bekommen würde? In welche Welt sollte er sie&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;investieren?&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Er lief den Strand entlang und suchte. Geschlechtspartner, Betäubungsmittel, &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Nahrung, simple Wahrheit, abstrakte Philosophie  - egal, er hätte alles genommen.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Am liebsten Kokain. Mit 150 plus Mehrwertssteuer ließe sich eine respektable &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Tagesration zusammenstellen. Dazu ein Tellerchen Pestonudeln und etwas Brennesseltee.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Damit könnte er seinen maroden Kadaver reanimieren und ihn würdevoll in&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;den Sonnenaufgang stellen. Was auch kommen sollte, er wäre bereit gewesen.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Natürlich würde nichts kommen. Die Welt war ja weg. Aber immerhin: allein&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;der Gedanke daran faszinierte ihn.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Geologisch betrachtet bestand Hoffnung. Madagaskar folgte dem indischen&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Halbkontinent hinterher was die plattentektonische Drift betraf.  Er malte&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;sich den Triumpf aus, wenn -  in vielleicht 80 Millionen Jahren -   er &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Brennesseltee schlürfend am höchsten Berg der Insel sich eine Nase gönnte&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;und der Welt apokalyptisch berstend in den Arsch fuhr.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Die Zeit verging. Der Strandabschnitt, auf dem er sich auf und ab bewegte&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;blieb stoisch und unverändert.   Er saß da und spielte an einer Kokosnuß&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;herum. Er dachte an Schicksale von Schiffsbrüchigen. Ein Schiffsbrüchiger&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;hatte vor allem eines: Hoffnung. Die Hoffnung manifestierte sich(oftmals),&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;so ihm(dem Schiffsbrüchigen) die Götter gewogen  waren,  in Gestalt eines&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Schiffes. Wenn so ein Schiff am Horizont erschien, begann der&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Schiffsbrüchige wild gestikulierend zu hüpfen, zu winken, und zu schreien.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Dann rannte er auf die nächste Erhöhung und entfachte ein Feuerchen,&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;produzierte so viel als möglich Rauch. Er hüpfte und winkte weiterhin,&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;rannte möglicherweise wieder hinunter zum Strand, brüllte und&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;gestikulierte und - ja - hoffte eben, dass der Kutter beidrehte und seinem&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Leben eine günstige Wendung bescherte.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Aber die Hoffnung stand auch nur im Verhältnis zu einer existenten Welt,&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;wo das Erhoffte sich erfüllen konnte oder  wo das&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Erhoffte jenseits dieser Welt lag. In einem spirituellen Nirvana, in&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;ewigen Jagdgründen oder monotheistischen Paradisen - ja nach&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Glaubensrichtung. Aber entstehen konnte die Hoffnung nur  im Gehirn&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;eines höher entwickelten Säugetiers, dass in einer Welt wohnte, die dieses&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Gehirn fütterte.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;So gesehen hatte er es gut: keine Welt, keine Hoffnung, keine Ozeandampfer&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;auf die er warten mußte. Wahrscheinlich nicht mal auf den großen crash in&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;80 millionen Jahren.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Na ja, vielleicht auf den.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Er legte sich auf den Rücken, streckte Arme und Beine weit von sich, legte&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;die Kokosnuß auf seinen Bauchnabel und war froh keine Hoffnung zu haben,&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;die er fahren lassen sollte.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Dort wo er war, vermochte ihn niemand mehr zu drohen, niemand mehr zu&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;loben, niemand mehr zu trösten, zu umarmen, zu ingnorieren, zu schlagen,&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;zu belügen. Niemand mehr würde ihn lieben und niemand mehr hassen. Hier&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;gab es weder Fortpflanzungs- noch Kastrationsprobleme. Keine Faschisten,&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;keine klerikalen Heuchler, keine kulturlosen Kanonenboot Gorillas die die&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Welt beherrschten, keine Hasspredigiger die massenmedial gesteuerte&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Kleinbürger auf Lehmhüttenbewohner hetzten, keine sklavenhaltenden&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Megakonzerne die sich weigerten Steuern zu zahlen, kein Volk, das es&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;vorzog sich gegenseitig die Schädel einzuschlagen anstatt die machtgeilen,&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;fettgefressenen Bonzen aus ihren Elfenbeintürmen zu jagen, keine sonoren&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Oligarchenfratzen die schamlos aus ihren Panzerlimousinen herauslogen.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Alles war verschwunden. Weg, einfach weg.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Nur ein wenig Sehnsucht war geblieben die ihn fallweise irritierte. Eine&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;unspezifische Sehnsucht. Ein Kribbeln im Magen, immer dann, wenn er den&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Strand auf und ab lief und suchte. Es kam schubweise, so ein- bis zweimal&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;täglich, Manchmal auch einen ganzen Tag lang  gar nicht.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Die Welt hatte ihn verlassen. Das mochte problematisch sein und er nahm es&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;ihr auch noch immer übel, daß sie sich einfach so kommentarlos geschlichen&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;hatte.  Aber mit ihr war auch alles gegangen, daß  dieser Welt anhaftete.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;                     &lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;*&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Tage und Wochen vergingen. Kurzwellig gleißendes Licht löste langwelliges&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Licht und dieses wieder das kurzwellige ab. Wahrscheinlich vergingen&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Monate, mglw. auch Jahre. Er war sich nicht mehr sicher. Die Kokosnuss lag&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;noch immer im Sand, manchmal auf seinem Bauchnabel, dann wieder im Sand.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Die wenigen Ordner und Kartons waren verschwunden. Wahrscheinlich&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;vermodert, vom Salz zerfressen oder ins Meer gespült.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Seine Augen blinzelten wenn er in die Ferne blickte. Das Meerwasser&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;schimmerte und glimmerte bruchstückhaft im Sonnenlicht. Abends kamen die&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Augen zur Ruhe. Es ging ganz schnell hier in diesen Breiten. Dann hörte er&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;mehr und spürte die kühle feuchte Luft über seinen Körper streichen.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Er wußte schon lange nicht mehr ob er schlief oder wachte. Ob er&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;rauschhafte Schübe durchlebte oder   alltägliche Handlungen verrichtete.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Obwohl er natürlich keine Vorstellung mehr davon hatte wie alltägliche&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Handlungen auszusehen hätten war ihm klar, daß er sie wohl nicht&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;verrichtete. Sie waren  eine Metapher für Realität. Für eine greifbare,&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;existentiell fundierte plakative Wirklichkeit.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Mit einfachen Dingen wie Essen und Trinken. Oder russischem Roulett.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Der Strandabschnitt verlief in beide Richtungen endlos. Zumindest endete&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;er nicht materiell, also geographisch, sondern mehr oder weniger im&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;inneren Auge des Betrachters. Er löste sich quasi auf, in einem&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Sammelsurium von lichtgequälten Wasserpartikelchen.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Von Zeit zu Zeit flog eine Möwe  in dieses Sammelsurium und verschwand.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Im inneren Auge natürlich.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Und dann kamen Sie.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Sie traten aus dieser gleißenden Flimmerwand aus Wasserpartikelchen in den&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Panoramablick des Betrachters.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Er hob seine Kokosnuß und schaute. Er schaute lange nach links und dann&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;lange nach rechts.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Denn sie kamen aus der jeweils gegenüberliegenden Ecke des Küstenstreifens&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;langsam auf ihn zu. Sie schritten bedächtig voran. Aufrecht und voller&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Würde schritten sie.  Keiner der beiden blickte sich um. Sie schritten nur&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;voran, als wär es das letzte was sie jemals noch tun würden. Als sie&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;endlich stehenblieben lag nur mehr eine Fußballtorlänge zwischen ihnen.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Sie – das waren Mann und Frau.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Die Frau war groß. Vielleicht einen Meter Neunzig. Eine Hünin geradezu.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Der Mann etwa 15 cm kleiner. Mehrer Munitionsketten umschlangen seinen&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;narbenübersähten  nackten Oberkörper und in einer Hand baumelte lässig ein&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;MAG 70.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Die Frau blickte  einige Zeit in die Ferne, wobei sie die Schultern leicht&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;nach vorne und den Kopf in den Nacken fallen ließ. Sie trug beige&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Leinenuntewäsche und Stiefel aus Rinderleder. Sonst nichts. Ihr rotblondes&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Haar mäanderte über die Schulterblätter nach unten, bis hin zum&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Bauchnabel.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Sie holte  eine Flasche Brennspiritus aus ihren rechten Stiefel und ein&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Feuerzeug aus dem linken, goß den Spiritus kreisförmig um sich und steckte&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;ihn in Brand.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Eine Feuerwand erhob sich rund um die Frau.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Der Mann betrachtete etwas verdutzt das Geschehen, trat einen Schritt&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;zurück und fragte schließlich mit leiser, erstickter aber &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;erwartungsvoller Stimme:&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;&lt;i&gt;Don-rou-schän?&lt;/i&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;                    &lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;*&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Es kam ihm vor, als hätte sich die Sonne, kurz nachdem sie abgetaucht war,&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;nicht mehr vorwärts bewegt. Die Feuerwand loderte  gleichförmig vor sich&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;hin. Und der Typ mit dem Maschinengewehr und den vielen Patronengürteln&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;stand schone eine halbe Ewikgkeit im Dämmerlicht vor ihm.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Irgendwie kam ihm der Kerl bekannt vor. Er hatte eine starke Vermutung was&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;sein Gegenüber betraf aber er traute ihr nicht. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Das MAG 70 hing nun ruhig über der linken Schulter.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Seine Augen saßen tief ihm verrußten Gesicht. Die  Augenlider hingen weit &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;in den Apfel  hinein und schienen seitlich übermäßig abzufallen. Die&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Pupille formte einen am Rücken lungernden Halbmond. Keine Muskelfaser trug&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;etwas zur Mimik bei.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Irgendwann  hob sich sein von Brandnarben zerfurchter Handteller.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;“&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Rambo. John Rambo”, sagte der Mann und drückte einmal kräftig zu.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Dann drehte er sich wortlos um, stakste hinüber zur Feuerwand, hielt 5&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Schritte davor noch  einmal kurz inne, fletschte seine linke Unterlippe zu&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;einem Suppenteller und stürmte los. Dabei pumpte er langezogene tiefe&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Röchellaute durch seinen Kehlkopf.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;John Rambo hechtete mit beiden Händen voran durch die Feuermauer.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;     &lt;br /&gt;                    &lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;*&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Er hatte es gesehen. Mit eigenen Augen. Seine Hand schmerzte noch immer&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;und  seine Handballen waren voller Rußpartikelchen. Der Typ ist da einfach&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;hineingesprungen. Durch diese Feuerwand, die  irgendwann plötzlich da war.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Was auch immer das hier sein sollte: es hatte nichts mit ihm zu tun. Er&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;war so froh darüber, dass alles andere bedeutungslos wurde.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nichts mit ihm zu tun.&lt;br /&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Er stapfte mehrmals um die Feuermauer. Es war nichts zu hören und nichts&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;zu sehen. Die Feuermauer loderte praktisch geräuschlos vor sich hin.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Zumindest geräuschloser als die Brandung. Sie war nur eine etwas okkult&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;wirkende Lichtquelle am nächtlichen Strand. Er setzte sich daneben und&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;blickte ins Meer hinaus. Alles war dunkel und düster. Nur die  Gischt&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;zischelte rythmisch vor sich hin.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;&lt;i&gt;Don-rou-schän&lt;/i&gt;. Das klang so wie &lt;i&gt;ik  abe eine Koför&lt;/i&gt; &lt;i&gt;in Börlin.&lt;/i&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Er musste grinsen.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Dann schlief er  ein.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;            &lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;*&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Langgezogene, tiefe Röchellaute weckten ihn am nächsten Morgen.&lt;br /&gt;Nachdem er zuvor meinte einen dumpfen Knall gehört zu haben.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;John Rambo lag wenige Meter von der Feuermauer entfernt im Sand.&lt;br /&gt;Das MAG 7O war verschwunden. Er  blutete aus mehreren Rissquetschwunden.&lt;br /&gt;Sein Nasenbein schien gebrochen zu sein. Das Jochbein ebenfalls.&lt;br /&gt;Die linke Augenbraue war durch ein zweifingerdickes Cut aufgerissen aus dem stoßweise Blut quoll.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;John Rambo blieb so eine Weile liegen. Er röchelte tief und langezogen,&lt;br /&gt;verstummte kurz, verspannte seinen Körper zu einer zittrigen Masse und röchelte weiter.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Irgendwann schob er seine blutigen Finger in eine Hosentasche, holte Nadel und Zwirn heraus&lt;br /&gt;und begann seine erste Rißquetschwunde am linken Oberarm zu nähen.&lt;br /&gt;Die Unterlippe blähte sich dabei zu einem Teller auf, fiel wieder zusammen und formte&lt;br /&gt;kleine Speichelpools während der langezogen-tiefe  Röchellaut fallweise abrupt abriss&lt;br /&gt;um sich gleich wieder martialisch aufzubauen.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;John Rambo röchelte, blutete, und nähte seine Wunden.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Die einzige Unterbrechung waren Liegestütze auf einer Hand, die er im Dutzend&lt;br /&gt;spontan herunterpumpte. Manchmal rissen dabei schon vernähte Wunden wieder auf.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Das ging Tage so. Wenn nicht Wochen.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Der Tag an dem John Rambo zu weinen begann war ein sonniger. Anfangs hatte es niemand&lt;br /&gt;bemerkt. Doch als sein Weinen in ein Heulen und später dann in ein erbarmungsloses&lt;br /&gt;Schluchzen überging, ist es ihm aufgefallen. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;&lt;i&gt;MA-AG, &lt;/i&gt;&lt;span style="font-style: normal;"&gt;wimmerte&lt;/span&gt; John anfangs, streckte seine blutigen Hände Richtung Feuerwand,&lt;br /&gt;brach zu Boden, krallte seine Finger in den Sand und wurde von Weinkrämpfen  geschüttelt.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Später entwickelte sich daraus &lt;i&gt;MAG, MAG – Doun-rou-schän - MAG, MAG.&lt;/i&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Er saß da im Sand, die Kokosnuss zwischen den Beinen und betrachtete das Schauspiel.&lt;br /&gt;Es hatte sich nicht allzuviel verändert. Der Strandstreifen, das gleißende Licht, die Gischt.&lt;br /&gt;Tag und Nacht. Die Kokosnuss.  Man konnte von stabilen Verhältnissen sprechen.&lt;br /&gt;Angereichert durch eine kreisrunde Feuerwand und einen darniederliegenden Mann.&lt;br /&gt;Aber letztendlich haben sich beide nahtlos eingefuegt.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;John Rambo blutete, weinte, nähte seine Wunden, röchelte, pumpte Liegestütze auf&lt;br /&gt;einer Hand, verspannte seinen Körper zu einer zittrigen Masse und blutete weiter.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Manchmal flogen Möwen tief über ihn hinweg. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Und selbst die Krebse hatten sich schon an ihn gewöhnt.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Er lehnte sich zurück und blickte gegen Himmel. Eine fette, schwarze Wolke&lt;br /&gt;stand direkt über ihn. Sie war angenehm fürs Auge. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;So wunderbar dunkel.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;&lt;i&gt;MAG, MAG – Doun-rou-schän – MAG, MAG.&lt;/i&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;                         &lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;*&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Seit einiger Zeit hatte John Rambo aufgehört Liegestütze auf einer Hand herunterzupumpen.&lt;br /&gt;Er nähte auch keine Wunden mehr.  Er lag nur noch  im Sand, und machte sich akkustisch&lt;br /&gt;ein wenig bemerkbar. Doch auch das nahm sukzessive ab, bis er schließlich nur mehr&lt;br /&gt;regungslos da lag und mit seinen am Rücken lungernden Halbmondaugen apathisch ins Meer blickte. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Er schien auch zunehmend zu schrumpfen und zu verfallen. Seine Arme wurden dünner,&lt;br /&gt;sein Oberkörper verfiel langsam zu dem eines Asthmatikers und seine Hose verhüllte&lt;br /&gt;immer verschämter die darunter liegenden Flamingobeine.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Als John Rambo schlussendlich massiv einem Stück Dörrobst zu gleichen begann,&lt;br /&gt;wagte er sich das erste mal nahe an ihn heran. Aus einer Armlänge Enfernung erschien&lt;br /&gt;der verschrumpelte Körper wie luftgetrocknet. Alles Blut und Tränen waren im Sand&lt;br /&gt;versickert als wären sie niemals aus Rambos Körper ausgelaufen.&lt;br /&gt;Der Boden hatte John Rambo richtiggehend ausgesaugt. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Er stubste ihn an der Schulter. Sie fühlte sich hart und ledern an.&lt;br /&gt;John Rambo zeigte keine Reaktion. Er legte seine Arme unter Rambos Kniekehlen&lt;br /&gt;und die Achseln und hob ihn hoch. Rambos Augen waren nur mehr einen spaltbreit geöffnet&lt;br /&gt;. Ansonsten glaubte er, ein Stück Karton in den Armen zu halten.&lt;br /&gt;Fallweise schloss Rambo die Augen völlig und öffnete sie unendlich langsam wieder einen spaltbreit.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Er begann mit John Rambo am Arm den Stand auf und abzugehen.&lt;br /&gt;Er versuchte sich an Kinderlieder zu erinnern. Aber es fielen ihm keine ein.&lt;br /&gt;Also summte er irgendeine Melodie, verlor sich in unscharfen Halbtönen&lt;br /&gt;und einer erbärmlichen Rythmik. Er trug John Rambo jeden Morgen und jeden&lt;br /&gt;Abend am Strand auf und ab. Und John hatte große Freude daran.&lt;br /&gt;Um die zu zeigen öffnete und schloß er die Augen etwas schneller als sonst.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Nach der Abendrunde legte er ihn immer nahe an den Feuerkreis, damit er es schön warm hatte. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Doch es nützte alles nichts. John Rambo wurde weniger und weniger, schrumpelte und vertrocknete,&lt;br /&gt;schrumpfte und verdörrte Und eines Morgens war John verschwunden.&lt;br /&gt;Noch am abend davor hatte er ihn wie gewohnt zum Feuerkreis gelegt.&lt;br /&gt;Aber John war nur mehr sehr klein gewesen, vielleicht so groß wie eine mittlere Puppe.&lt;br /&gt;Möglicherweise war es  Funkenflug und John hatte Feuer gefangen.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Die Nacht war stürmisch gewesen und er suchte noch stundenlang nach irgerndwelchen Spuren&lt;br /&gt;aber er konnte absolut nichts mehr finden.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Der Wind hatte Johns Überreste einfach weggeblasen.  &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;                        &lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;*&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;&lt;i&gt;Ich glaube ihnen, dass sie das denken was sie sagen. Nur, würden sie etwas anders denken,&lt;br /&gt;dann säßen sie nicht hier.&lt;/i&gt; (Noam Chomsky)&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Die Welt bot Öffentlichkeiten, wo Meinungen geäußert werden konnten.&lt;br /&gt;Und sofern mensch das Richtige dachte, konnte er auf ein mehr oder weniger&lt;br /&gt;großes Podium klettern und sein Denken öffentlich machen.&lt;br /&gt;Im Kreise erlauchter die auch alle das Richtige dachten.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Dann saßen die Richtigdenker beieinander und besprachen alles.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Aber richtig.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Er vermisste die Kokosnuss. Möglicherweise war sie gemeinsam mit John verschwunden,&lt;br /&gt;in dieser stürmischen Nacht. Oder zuvor oder danach. Jedenfalls war sie weg.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Er ließ seinen Blick entleert über die Feuermauer streichen.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Möglicherweise war er  eine Form materieller Vergangenheit dieser&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Welt, einfach aus ihr herausgebrochen, wie einst der Mond.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Er wußte einzig und allein was er nicht war und konnte nur vermuten was er sein mochte.&lt;br /&gt;Vielleicht war die Erkenntnis dessen, was er nicht war, auch nur eine Vermutung.&lt;br /&gt;Aber zumindest eine starke. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Wie er sich auch wand und krümmte – es führte offenschtlich kein Weg vorbei:&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;es war Zeit einen Entschluss zu fassen.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;                      &lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;*&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;&lt;i&gt;Im Gegensatz zur weitverbreiteten Annahme enthüllt die sorgfältige Untersuchung&lt;br /&gt;einer Beobachtung vor allem die Eigenschaften des Beobachters.&lt;/i&gt; (Francisco Varela)&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Er stand jetzt genau dort.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Mit nichts mehr als einer wetterzerfressenen, löchrigen  schwarzen Short um die Hüften.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Er konnte gerade noch den Feuerkreis herüberschimmern sehen und wenn er in die&lt;br /&gt;entgegengesetzte Richtung blickte, so tat sich ein neues Sammelsurium von Wasserpartikelchen auf.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Dort, wo der Strandabschnitt im inneren Auge geendet hatte, begann er also von Neuem.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Er tat sich schwer. Stand lange Zeit da und dachte nach. Blickte abwechselnd&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Richtung neuem Sammelsurium und Feuerkreis. Zeitweise umspülte die Flut&lt;br /&gt;seine Fußgelenke und Krebse knabberten an seinen Zehen.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Eines Tages, als die Sonne im Zenit stand, begann er loszulaufen.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Anfangs trabte er beschaulich dahin, steigerte sich aber mit jedem Schritt und erreichte&lt;br /&gt;nach kurzer Zeit ein Höllentempo. Er rannte wie er es noch nie getan hatte.&lt;br /&gt;Und er rannte dorthin zurück wo er hergekommen war. &lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Sein Atem ging stoßweise, sein Verstand ebenfalls.&lt;br /&gt;In seinen Augen spiegelte sich ein rasch anwachsender Feuerkreis.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Wenn sein Verstand eine naturhafte, zum Zweckte der Selbsterhaltung abgezweigte&lt;br /&gt;psychische Kraft war, dann besaß er keinen.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Das, was stoßweise unter seiner Schädeldecke arbeitete, war viell. nur ein Instinkt.&lt;br /&gt;Ein komplexes Muster  von angeborenen, genetisch übertragenen Verhaltensweisen.&lt;br /&gt;Oder es war gar nichts.  Da war nichts innerhalb dieser Schädeldecke und&lt;br /&gt;folglich auch nichts außerhalb dieser Schädeldecke.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Oder andersrum: das vom Innerhalb produzierte Außerhalb war allenfalls so jämmerlich,&lt;br /&gt;dass das Innerhalb beschloss die Produktion einzustellen.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Und so hob er ab, ohne MAG und Verstand, beide Arme weit seitwärts, wie ein Albatross.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Meterhoch stand er kurz in der Luft  über jener bizarren Waberlohe.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Ein kurzes Freeze, ein endloser Moment.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Dann fiel er.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Wie ein feuchter Erdklumpen.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;Nach unten.&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;                                 &lt;br /&gt;                        &lt;br /&gt;                      &lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;*         *         *&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-family:Times New Roman,serif;"&gt;&lt;span style="font-size:100%;"&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;/pre&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/10561958-115213926349453190?l=defizit.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://defizit.blogspot.com/feeds/115213926349453190/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=10561958&amp;postID=115213926349453190' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/10561958/posts/default/115213926349453190'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/10561958/posts/default/115213926349453190'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://defizit.blogspot.com/2006/07/madagaskar_05.html' title='madagaskar'/><author><name>joe milla</name><uri>http://www.blogger.com/profile/18218330153412588692</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-10561958.post-114355772855656853</id><published>2006-03-28T06:52:00.000-08:00</published><updated>2006-03-28T06:55:29.060-08:00</updated><title type='text'>plazenta</title><content type='html'>&lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;b&gt;Plazenta&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Ahhhhhh - ahhhhhhhhhhhhh - ah-ha-hahhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh&lt;span style=""&gt;  &lt;/span&gt;!!!&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;span style=""&gt;                                                                                      &lt;/span&gt;*&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Jahrtausendwende. Die Straße war schnurgerade und nur lokale Feinspitze warfen hie und da den einen oder anderen Blinker an, um in die flachgrüne Landschaft wegzudriften.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Muczikant Meixner beförderte am Beifahrersitz 4 Osternester mit Schokoladeosterhasen, die auf&lt;span style=""&gt;  &lt;/span&gt;grellgrünen Ostergrasfuseln lagen. Pro Nest schmückte ein rotes Schokoosterei &lt;span style=""&gt; &lt;/span&gt;das heidnische Relikt.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Muczikant Meixner war es nicht vergönnt gewesen sein Ziel zu kennen. Doch unbeugbare Zuversicht ließ ihn hochkonzentriert vorwärtsgleiten. Er fuhr sich immer wieder mit Zeige- und Mittelfinger durch das fett-strähnige Haupthaar, das eigentlich nicht mehr vorhanden war. Er&lt;span style=""&gt;  &lt;/span&gt;legte es seit Jahren fein säuberlich, Strähne für Strähne, quer über den spiegelglatten Mittelkopf. Eigentlich war es eine maßlos verlängerte Schläfenhaaransatzfrisur. Jeder Vokuhila warf das Handtuch, sobald er Auge in Auge mit einem&lt;span style=""&gt;  &lt;/span&gt;Schläfehafu stand. &lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Schläfehafus waren auf eine ganz spezielle Art. einfach unerreichbar.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Muczikant Meixners Finger tasteten immerzu über die 4 Osternester, aus Sorge, dass eines verrutschen oder gar verloren gehen könnte. Ansonsten sondierten seine Sehschlitze nervös das Display jenes Handys, das unaufhörlich SMS-Botschaften empfing. Die letzte lautete: &lt;i&gt;Keep going straight - medium speed&lt;/i&gt;. &lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;span style=""&gt;                                &lt;/span&gt;&lt;span style=""&gt;                                                     &lt;/span&gt;*&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Das Zimmer erschien devastiert. Überall Blut und Körpersäfte, Wasserkübel, Handtücher und schweißgebadete Akteure - zwischen entrückter Glückseeligkeit&lt;span style=""&gt;  &lt;/span&gt;und nacktem Wahnsinn. Alles war schiefgegangen. Nun ja, beinah alles.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Onkel Johann, der Organist, ließ sein Gesicht zwischen den gichtigen Fingern ruhen und suchte nach innerer Balance. Seine Nichte war heim zum Herrn gegangen. Mit einem Lächeln auf den Lippen hatte sie sich davongestohlen und die imaginäre Sprechblase über ihrem Haupte hieß wohl irgendwas in der Art von &lt;i&gt;danke, das wars. &lt;span style=""&gt; &lt;/span&gt;aus. &lt;span style=""&gt; &lt;/span&gt;tschüss. baba.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;i&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Onkel Johanns Nichte hatte einfach das Handtuch geworfen und sich für einen abrupten Fortpflanzungs- und Brutpflegestopp entschieden. 13 Jahre lang hatte sich ihr Bauch gebläht, war wieder zusammengefallen, ließ jedesmal streifenweise erschlafftes Gewebe zurück, tiefe Ringe unter den Augen und eine Dosis Lebensmüdigkeit in ihrer von Fatalismus durchzogenen Seelenlandschaft. &lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;13 Jahre lang spielte sie eine Gebärmaschine, zwischen Befruchtung, beigebraunen Windel- und Wäschebergen, Sozial- und Fürsorgeämtern, Niederkünften,&lt;span style=""&gt;  &lt;/span&gt;permanenten Schlafmangel inmitten mehroktavigem Kindergebrülls, Riesentöpfen weichgekochter Grundnahrungsmittel, Geschirrtürmen und sozialer Ächtung.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Jetzt war sie nur verblutet. Verunglückte Hausgeburt. Ganz schnell und unspektakulär. Eine Erholung. Vergleichsweise.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Onkel Johanns Gesicht ruhte noch immer zwischen seinen Gichtfingern. Die Hebamme lag völlig erschlagen auf einer Luftmatratze, die notdürftig aufgepumpt worden war. Ihr Atem ging&lt;span style=""&gt;  &lt;/span&gt;flach und schnell. Die Augen standen weit offen, der Blick war zu Decke gerichtet. &lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Ende der Fahnenstange. Keiner wollte den Teilerfolg wirklich zelebrieren: das Kind lebte.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;span style=""&gt;                                                                                    &lt;/span&gt;*&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;i&gt;... saloppes Sonnenblumenfeld in bereits fortgeschrittener Entstehungsphase&lt;/i&gt;, dachte Muczikant Meixner und biss zerknirscht in die sechste der überteuerten Frühsommernektarinen. Eine Kilo um 3 Euro Fünfzig. Macht auf 6 Nektarinen 60 Cent das Stück. Grob gerechnet.&lt;span style=""&gt;  &lt;/span&gt;Muczikant Meixner blieb kurz hängen. Das sind - bei etwa 6 Bissen - 10 Cent pro Bissen. Heftig, durchschoss es Meixner. &lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Er warf einen Blick auf das Display seines Handys und erspähte diesmal eine Anordnung von Ausrufezeichen, die eine blinkende &lt;i&gt;'Landluft'&lt;span style=""&gt;  &lt;/span&gt;&lt;/i&gt;in die Mitte nahmen. Muczikant Meixner tippte auf&lt;span style=""&gt;  &lt;/span&gt;"weiter" ... H&lt;i&gt;öhe Kornwiesen, 1,5 km geradeaus, Biogasthof 'Landluft' abbiegen. &lt;span style=""&gt; &lt;/span&gt;6 Dosen Bienenhonig kaufen und unauffällig naturtrüben Apfelmost trinkend weitere Order abwarten&lt;/i&gt;.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Bereits eine halbe Stunde später saß Muczikant Meixner mit 6 Dosen Ödenburger Wiesenblütehonig bei seinem zweiten Glas naturtrüben Apfelmosts. Keine weiteren Anweisungen.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Muczikant Meixner schwitze mittelmäßig stark aber stetig. Alle paar Minuten sprang er auf, hastete zum Auto, strich die Ostereier gerade oder überprüfte zumindest deren ordnungsgemäße Positionierungen. Die Sonne wanderte lakonisch auf ihrer Parabel westwärts und&lt;span style=""&gt;  &lt;/span&gt;Meixner war mittlerweile bei Apfelmost Nummer 3 angelangt.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Muczikant Meixner war ein Spross der Gattung altösterreichischer verarmter Winkadel. Winkadelige sahen kurzfristig ihren Stern im Jahre 1918 auf- und gleich wieder untergehen. Der blassgesichtig-kränkliche und durchdrungen depressive letzte Kurzzeitaristokrat Karl hatte - bereits aus Wien flüchtend - Gerüchten nach mehrere Dutzend kaisertreue Großbürger sozusagen telegeadelt. Sie winktem dem Aristoflüchtling vollst der Teilnahme - er adelte sie mit einer larmoyanten Handbewegung offensichtlich über zwei bis drei Bahngeleise hinweg. Letztendlich blieb nur noch ein "von" - das letzte Geld fraßen meistens die krisengebeutelten Folgejahrzehnte und schließlich der Faschismus. Die 50er Jahre ließen den Winkadel schließlich in definitiver Bedeutungslosigkeit und zumeist finanzieller Misere zurück. Zudem war ihnen durch das strikte Adelsaufhebungsgesetz des Jahres 1919 verboten worden, ihre erwunkenen "vons" zu tragen. Geblieben war bestenfalls eine eigentümliche Affektiertheit, etwas unzeitgemäße Noblesse und fallweise nasalierter Feinsprech.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Letzteres betraf aber nicht Muczikant Meixner, denn er war zu all dem noch ein schwarzes Schaf altösterreichisch-verarmten Winkadels, hatte im Laufe der Jahre eine neurotisch mieselsüchtige Äquidistanz zu den Dingen dieser Welt aufgebaut und sich auf kryptische Gelegenheitsjobs mit einem Schuss Bedeutsamkeit spezialisiert.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Bedeutsames ereignete sich übrigens augenblicklich in Meixners Magen- und Darmtrakt, nachdem er das vierte Glas&lt;span style=""&gt;  &lt;/span&gt;Apfelmost geleert hatte. Durchfall. Muczikant Meixner stürmte verkrampft hechelnd in Richtung biobäuerliches Plumpsklo in welchem er stöhnend und schnaubend für eine gute halbe Stunde verschwand. Danach tänzelte er mit erschlafften Schließmuskel zurück, wo er das harsch blinkende Display seines Handys vorfand. Hektisch drückte er einige Tasten und stellte fest, dass er&lt;span style=""&gt;  &lt;/span&gt;für die Folgeorder rund 23 Minuten im Verzug war, was in Muczikant Meixners Prinzipienkatalog als mittelmäßig desaströs einzustufen war. &lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Meixner griff wie besessen nach den Waldblütenhoniggläsern, drückte sie &lt;span style=""&gt; &lt;/span&gt;ungelenk gegen die Brust, stolperte im Zickzack durch den Innenhof zu seinem Auto, riss die Tür auf, schleuderte seine Einkäufe auf den Rücksitz, hechtete auf den Fahrersitz, steckte gierig den Schlüssel ins Zündschloss, startete, blickte kurz links, dann rechts und erhaschte dabei &lt;span style=""&gt; &lt;/span&gt;vier grünbraune Klumpen auf dem Beifahrersitz.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Die Sonne war im Laufe ihrer lakonischen Parabel durch die Windschutzscheibe gebrochen und hatte so beiläufig die Schokoostereier über den dekorativen Rest geschmolzen. Und das alles innerhalb der letzten 35 Minuten.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;"Du renitent solares Drecksstück !", brüllte Muczikant Meixner, quetschte seine Finger in das Lenkrad&lt;span style=""&gt;  &lt;/span&gt;- als wollte er den letzten &lt;span style=""&gt; &lt;/span&gt;Tropfen Hartplastiksaft aus ihm herauspressen - und schlug seinen Vorderkopf mehrmals gegen dasselbe. Dann drückte er ohne Kupplung und mit schrillem Geknirsche den Retourgang hinein, trat gleichzeitig das Gaspedal durch und schob das nach hinten wegtorpedierende Heck zielsicher in eine Mähdreschervorrichtung der Marke &lt;i&gt;John Dear.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;i&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;i&gt;&lt;span style=""&gt;                 &lt;/span&gt;&lt;span style=""&gt;                                                &lt;/span&gt;*&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;i&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Nach drei Tagen hemmungslosen Dauerbesäufnisses beschloss Onkel Johann zu handeln. Der Impuls dazu ereilte ihn um vier Uhr morgens, als der Weltschmerz ihm die Pulsadern zu öffnen drohte und die mazedonische Wirtin mitleidig ihre fülligen Unterarme um seine Schultern gelegt hatte.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;„Oke Jo´han!&lt;span style=""&gt;  &lt;/span&gt;Mochst du Geschichte verstaubt, wast du?! Brauchst du nix viel. Nur die Baum. Ollas. Fertig.“&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Der Baum der Zerstäubung vermochte Geschehenes zu zerstäuben. Er lag immerzu südostwärts, und zwar bezogen auf den geografischen Ereignisort des zu zerstäubenden Geschehens.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Als zu zerstäubendes Geschehen galt jenes, das einem Individuum &lt;span style=""&gt; &lt;/span&gt;die Pulsadern zu öffnen drohte.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Die mazedonische Wirtin flüsterte sanft und bestimmt, mit einer tief geräucherten Stimme, die keinen Widerspruch duldete. Nur über die Beschaffenheit des Baumes wollte sie sich nicht im Detail äußern. Auch nicht darüber was&lt;span style=""&gt;  &lt;/span&gt;dort zu tun sei. Dies wäre themen- und geschehnisgebunden und ausschließlich vom Betroffenen selbst zu bestimmen. Nur so viel: es sollte ein Laubbaum sein und für Onkel Johann gefühlsmäßig stimmen. Was auch immer das heißen mochte.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Onkel Johann torkelte aus dem Lokal und sah den Morgen grauen. Ein diesiger Sonntagmorgen. Die Straßenschluchten wirkten leblos und gespenstisch. Einige Taxis waren unterwegs und die Zeitungsstände bereits aufgestellt. Er fingerte in seinen Hosentaschen umher und ertastete eine Geldmünze. Nach drei kaputten Telefonzellen fand er schließlich eine Funktionierende, warf die Münze in den Schlitz und weckte die posttraumatische Hebamme exakt um 05.33.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;„Ja-ha, ha ?!“ hechelte die Hebamme,&lt;span style=""&gt;  &lt;/span&gt;frisch aus einem Albtraum gerissen. Onkel Johanns Zunge lag schwer am Gaumen und ließ phonetisch kaum Zusammenhängendes vermitteln. Die Hebamme verstand anfänglich nur etwas von Geschehnis und Zerstäubung und dass Onkel Johann schon einen Baum im Kopf habe.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;„Wooo??, gütiger Himmel, wo sind sie denn?!“, brüllte sie, angstschwitzte ihr Nachthemd binnen Sekunden klatschnass und vermochte erst mach mehrmaligen Rückfragen den Baum im Kopfe als eine Idee Onkel Johanns zu deuten.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Sie atmete mehrmals tief durch, strich die klatschnassen Stirnfransen aus dem Gesicht und lud ihren Gesprächspartner für 7 Uhr zum Kaffee.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;span style=""&gt;                                                                         &lt;/span&gt;*&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;„Sie war das einzige was ich je hatte. Oder zumindest zu haben glaubte. Vor allem während der letzten trostlosen Jahre, als meine jetzigen Krüppelfinger noch über Orgeltasten stolperten. Jeden Samstag brachten sie die Pfeifen zum Singen. Und jedes mal hatte sie mich nach der Abendmesse zum Essen eingeladen. Sie und die Kinder waren meine Familie. Und trotz der Acht- und Zehnfachbelastungen, die diese Welt ihr aufbürdete, fand sie jedes Mal Zeit und schenkte mir ….. Wärme …. und …“.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Onkel Johann stockte. Tränenpakete schossen aus seinen Augenwinkeln. Er starrte in die Kaffeetasse, die er mit seinen&lt;span style=""&gt;  &lt;/span&gt;Fingern nur mühsam zu halten vermochte. Die Hebamme nickte indessen betroffen und füllte die Tasse immer wieder aufs Neue. Er leerte die Kaffeetassen praktisch auf ex, als wären sie doppelte Korn.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;„Sie wissen, ich konnte nichts tun. Ich habe so etwas noch nie erlebt. Das Herz hat einfach aufgehört zu schlagen. Ohne jede Vorwarnung. Wie aus heiterem Himmel. Selbst der Notarzt war fassungslos und hatte keine Erklärung. Das ist das schlimmste was einer Hebamme passieren kann, ich….“&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Onkel Johann nahm ihre Hand und wischte sich mit der anderen über die feuchten Backen.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;„Schon gut, sie können nichts dafür, ich weiß das. Sie haben getan was sie konnten“.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Er lehnte sich zurück&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;„Aber jetzt müssen sie mir helfen. Wir müssen dieses Geschehnis zerstäuben. Fragen sie mich nicht warum. Das Geschehnis MUSS zerstäubt werden. Ich brauche von Ihnen einen fachspezifischen Rat. Sie sind ja mit solchen Sachen befasst. Also mit Geburten und ähnlichem. Ich brauche sozusagen einen geschehnisbezogenen Tip. Irgendetwas okkultes. Vielleicht ein Ritual oder so. Was ist in solchen Fällen üblich? Weihrauch wohl nicht nehme ich an“?&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;„Nein – also … Weihrauch wäre sehr exotisch … ich meine ….“ – die Hebamme war kurzfristig verwirrt und teils noch in ihrem letzten Albtraum gefangen. Ihre zittrigen Hände griffen nach einer Schachtel Memphis Light. Sie zündete eine Zigarette an und nahm einen tiefen Lungenzug.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;„Also manche vergraben die Plazenta.“&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;„Plazenta?“&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;„Die Nachgeburt“&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Onkel Johann kratzte sich mit Daumen und Zeigefinger mehrmals das Kinn. &lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;„Sie meinen da kommt mehr raus als ein Kind?“&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;„Ja, einiges noch“. – die Hebamme hob entschuldigend die Hände.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;„Gott – im - Himmel …“. Onkel Johann versuchte möglichst nicht darüber nachzudenken. Wichtig war, dass es offensichtlich etwas brauchbares gab, aber –&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;„Wo zum Teufel soll ich jetzt eine Nachgeburt hernehmen?“&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;„Ähh, wie soll ich sagen …“ – die Hebamme machte weitere ungelenke Handbewegungen,&lt;span style=""&gt;  &lt;/span&gt;schluckte und räusperte sich ein wenig hysterisch. Es nützte aber nichts. Ihre&lt;span style=""&gt;  &lt;/span&gt;Stimme hätte Glas zum Bersten bringen können.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;„Die Nachgeburt liegt im Gefrierfach“.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Onkel Johann stellte die Kaffeetasse ab und setzte sich auf.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;„Die Nachgeburt liegt im Gefrierfach?“&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;„Ja. Also genauer gesagt in einem Billasackerl, gleich neben den American Pizzas. Ich dachte, also ich wusste nicht und …“ – ihr Gesicht war nun knallrot angelaufen. - „ …wahrscheinlich war es ein Reflex, aus Gewohnheit, weil viele meiner Klienten die Plazenta für diverse … ähm … Rituale verwenden. Zu einem späteren Zeitpunkt und …“&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Onkel Johann stand mittlerweile.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Sie haben diese&lt;span style=""&gt;  &lt;/span&gt;Nachgeburt in ein Billasackerl gegeben und in ihr Gefrierfach zu den American Pizzas gelegt? Das Placebo meiner Nichte?“&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;„Plazenta. Nicht Placebo. Und ich hab sie nicht zu sondern neben die Pizzas gelegt.“&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Dann folge eine Pause. Vielleicht eine knappe Minute lang. Schließlich wandte sich Onkel Johann der Hebamme zu und blickte ihr tief in die Augen.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;„Wissen sie was sie sind ?“&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;„Nei- hein?!“ – ihre Stimme machte einen schrillen Rückwärtssalto.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;„Sie sind GE-NI-AL !!“ Onkel Johann riss die völlig verstörte Frau an sich, schlang seine mächtigen Arme um sie und drückte ihr dabei &lt;span style=""&gt; &lt;/span&gt;die letzten Luftblasen aus den Lungenflügeln.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;span style=""&gt; &lt;/span&gt;Unten, auf der Straße, schlurften die ersten sonntäglichen Frühaufsteher in gelben und grünen Trainingsanzügen zu den Zeitungsständern. &lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;span style=""&gt;                                                                      &lt;/span&gt;*&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Muczikant Meixner war fünfeinhalb Kilometer gelaufen bis sich endlich ein Tiertransporter seiner erbarmte. In einem übergroßen braunen Jägerrucksack, den ihm der Biobauer unwillig geliehen hatte, nachdem Muczikant Meixner einen 700-Euro Scheck als Kaution für die Schäden an er Mähdreschervorrichtung hinterlegt hatte, transportierte er die verklumpten Schokoosterhasen und den traurigen Rest seiner primären Mitbringsel. Zusätzlich schleppte er schwer an &lt;span style=""&gt; &lt;/span&gt;den sechs Ödenburger Wiesenblütenhoniggläsern, die er in Plastiktüten gestopft hatte und die seine Arme wie Lianenäste aussehen ließen.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;span style=""&gt; &lt;/span&gt;Das Auto war Totalschaden.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Noch etwa fünf Minuten bis zur Tiefkühlgemüsefabrik wo er neue Order empfangen sollte. Insgesamt war er schwer außerhalb seiner Sollzeit. Im Augenblick etwa zweieinhalb Stunden.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Muczikant Meixner fühlte sich &lt;span style=""&gt;  &lt;/span&gt;mittelmäßig beschissen und paffte deprimiert an seiner Pfeife – möglicherweise das einzige Relikt aus tradiertem Winkeladelgehabe an dem er festgehalten hatte. Seine Schläfenhaaransatzfrisur war aufgrund der wüsten letztstündigen Ereignisse völlig hinüber und er sah aus, als hätte er gerade eben zwei Hunderternägel gleichzeitig in eine Steckdose geschoben.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Als Muczikant Meixner an der Portierklingel der Tiefkühlgemüsefabrik klingelte, rührte sich erstmal nichts. Er benötigte an halbes Dutzend Klingelversuchte bis ein stark kugelbäuchiger schnauzbärtiger&lt;span style=""&gt;  &lt;/span&gt;Typ erschien, Meixner herablassend begutachtete und ein zerkautes &lt;i&gt;ja bitte ?&lt;/i&gt; folgen ließ.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;„Ich habe einen Termin mit Frau Bichler.“&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Der Portier sah ihn kurz ungläubig an und schob dann wortlos und missmutig seinen Kugelbauch zur Tür hinaus. 10 Minuten später erschien Katharina Bichler., Chefin der Qualitätskontrolle, mit einem Verpackungskarton in der Hand. Ihr Gesicht war glattgecremt, die Haare kurz und straff&lt;span style=""&gt;  &lt;/span&gt;nach hinten durchgegeelt. &lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Schwarzgraues Kostüm.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;„Muczikant Meixner?“&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Meixner nickte.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;„Ich habe ihnen schon ein Taxi bestellt“ – sie drückte ihm &lt;span style=""&gt; &lt;/span&gt;den Karton in die Hand.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;„Das ist für sie. Gehen sie damit vorsichtig um. Mehr ist eigentlich nicht zu sagen. Taxirechnung geht ans Haus und – ja – grüßen sie Onkel Johann von mir.“&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Und weg war sie.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Muczikant Meixner ließ sich schickalsergeben vor dem Portierhäuschen auf den Randstein nieder und wartete auf das Taxi.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;span style=""&gt;                                           &lt;/span&gt;&lt;span style=""&gt;                         &lt;/span&gt;*&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;„Ich soll sie hier absetzen“, meinte der Taxifahrer. „Wenn sie den Hohlweg da rechts hinuntergehen sind sie in einer Viertelstunde dort. Ein altes aufgelassenes Grenzerhäuschen, dottergelb. Nicht zu übersehen.“&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Muczikant Meixner fühlte sich mittlerweile wie ein levantinischer Packesel. Immerhin, dies sollte die letzte Etappe seines Auftrages werden. Über Mangel an Kryptik brauchte er sich nicht zu beschweren. Bedeutsamkeit stand noch&lt;span style=""&gt;  &lt;/span&gt;ein wenig aus.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Als Meixner das alte Zöllnerhaus, zwischen den mächtigen Buchen und Eichen auftauchen sah, schien alles paradiesisch ruhig und zeitlos verschlafen. Er stellte seine Gebäcksstücke ab und setzte sich auf einen Baumstrunk.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;So. Hier schien absolut nichts zu sein. Der Wind spielte in den Baumwipfel und ein Kuckuck tönte von halb weit weg. Muczikant Meixner entschied nach einer angemessenen Verschnaufpause das Areal zu inspizieren. Er lief mehrere Male um das dottergelbe Haus, nahm kaputte Fenster und abbröckelnden Putz zur Kenntnis und stand schließlich wieder vor dem Portal. Von dort streckte sich eine lang gezogene Wiese bis an en nächsten Waldrand. &lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Und genau dort war etwas. &lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Muczikant Meixner kniff die Augen zusammen und konnte direkt am Waldrand, im Halbschatten eines Baumes, eine Gestalt erkennen. Doch genaueres war nicht auszumachen. Meixner hob die rechte Hand zum&lt;span style=""&gt;  &lt;/span&gt;Himmel, senkte sie und hob sie wieder zum Himmel. Mit gehöriger Zeitverschiebung tat die Gestalt es ihm gleich, wenn auch deutlich langsamer. Das wars.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Muczikant Meixner eilte zurück zu seinem Hab und Gut und stolzierte damit Richtung&lt;span style=""&gt;  &lt;/span&gt;&lt;i&gt;final destination.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;i&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Onkel Johann war dermaßen erschöpft und am Ende seiner Kräfte, dass er Muczikant Meixner anfangs gar nicht bemerkte. Außerdem war er mittlerweile wieder in jenem Riesenkrater verschwunden, den er seit gestern wie besessen ausgebuddelt hatte. &lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Onkel Johann hatte es innerhalb der letzten 36 Stunden zuwege gebracht, ein so tiefes Loch zu graben, &lt;span style=""&gt; &lt;/span&gt;dass er selbst darin versank. Links und rechts neben dem Krater türmten sich zwei mächtige Erdhaufen. Darüber erhoben sich die gewaltigen Äste einer alten Eiche.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;„Schönen guten Abend. Ich habe alle erforderlichen Utensilien mitgebracht. Entschuldigen sie die Verspätung aber unwirsche Zwischenfälle haben meinen Zeitplan völlig pulverisiert.“&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Muczikant Meixner blickte von oben in den Krater hinab und versuchte gequält zu lächeln. Onkel Johann äugte zwar erschöpft von unten nach oben, doch sein Blick war heute bestimmt und durchdringend. Dann kletterte&lt;span style=""&gt;  &lt;/span&gt;er ächzend aus dem Loch, schüttelte Muczikant Meixners Hand und meinte nur lapidar: „Gut, sehr gut“. Er begutachtete Meixners Mitbringsel und war hochauf zufrieden.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Onkel Johann öffnete kurz den Karton, lächelte selig, und schloss in wieder. &lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;„Der Termin mit Frau Bichler war ok?“&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;span style=""&gt; &lt;/span&gt;„Der schon, ja“&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;„Ödenburger Waldblütenhonig, sechs Gläser,. Exzellent. Sie war in ihren Jugendjahren in einem keltischen Zirkel von jungen Leuten die auf Ruinen okkulte Feste feierten. Ich war mir nicht sicher ob die Kelten damals in dieser Region schon Wein anbauten. Hier an der Österreich-Ungarischen&lt;span style=""&gt;  &lt;/span&gt;Grenze ist ja soviel passiert. Ich glaub ja eher es waren die Illyrer. Die kamen aus dem Süden und waren hellenistisch beeinflusst. Das würde eher auf eine Weinkultur hindeuten, wenn &lt;span style=""&gt; &lt;/span&gt;ein Volk sich von den Griechen inspirieren lässt, was meinen Sie?“&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Muczikant Meixner kaute an seiner Unterlippe und nickte ernsthaft.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;„Nun die anderen, die Kelten also, die kamen ja vom Nordwesten. Das waren praktisch Gallier die sich ursprünglich, im 5 Jdt.,&lt;span style=""&gt;  &lt;/span&gt;in der Schweiz, am Neuenburgersee, formiert und dann in alle Richtungen zerstreut hatten. &lt;span style=""&gt; &lt;/span&gt;Mit eher Stahlhelmen am Kopf und Bierkrügen in den Händen als mit Rebstöcken auf Südhängen. &lt;span style=""&gt; &lt;/span&gt;Hier in dieser Region sind sie aufeinander getroffen. Die Illyrer und die Kelten. Weiß der Kuckuck was die dann gesoffen haben. Ich dachte, am sichersten wäre Met. Also ein Metadaption gewissermaßen. Schauen Sie, hier …“ – Onkel Johann holte zwei Flaschen &lt;span style=""&gt; &lt;/span&gt;Slivovitz aus seinen&lt;span style=""&gt;  &lt;/span&gt;Manteltaschen und leerte Sie in ein Wog-ähnliches Ding, das auf einem fetten Gaskocher stand.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Muczikant Meixner hatte beschlossen keine erläuternden Fragen zu stellen und statt dessen rythmisch und ernsthaft zu nicken&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;„So. Da rühren wir jetzt 3 Gläser Waldblütenhonig hinein und lassen das Zeug ein wenig köcheln Die anderen &lt;span style=""&gt; &lt;/span&gt;kommen mit der Nachgeburt ins Loch und …- was zum Himmel ist den mit den Osternestern&lt;span style=""&gt;  &lt;/span&gt;passiert?“&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;„Wie gesagt …“ Muczikant Meixner räusperte sich ein wenig theatralisch&lt;span style=""&gt;  &lt;/span&gt;- „… unwirsche Umstände...“&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;„Vergessen Sie´s. Schon in Ordnung. Was zählt sind die Bestandteile, nicht die Optik. Also die kartonierte Nachgeburt mit den Honiggläsern ins Loch, das schütten wir dann zu, legen die Nester obendrauf, für jede Himmelsrichtung eines und dann geht’s los“&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Meixners&lt;span style=""&gt;  &lt;/span&gt;Nicken blieb ernsthaft und rythmisch.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Als sie gegen Mitternacht ihre Arbeit beendet hatten und alle Requisiten unter der Erde lagen ging Onkel Johann, navigiert von einer mattgelben 1,5 Volt Taschenlampe, zurück zum Haus und kehrte mit einem alten Kassettenspieler sowie zwei massiven Tonkrügen wieder zurück. Er stellte ihn in die Mitte der Osternester.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Der Ödenburger Waldblütenhonig hatte sich mittlerweile mit dem Slivovitz zu einer zähflüssigen, okkerfarbenen &lt;span style=""&gt; &lt;/span&gt;Pampe vermengt. Onkel Johann war zufrieden. Er schöpfte die Krüge voll mit der Metpampe und &lt;span style=""&gt; &lt;/span&gt;reichte einen davon Meixner. Dann sank er erschöpft auf einen Baumstrunk und blickte eine zeitlang geistesabwesend zu Boden. Irgendwann hob er den Kopf.&lt;span style=""&gt;  &lt;/span&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;„Können sie mir einen Gefallen tun? Drücken sie bitte die play-Taste am Rekorder.“&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Es ertönte barocke Kirchenmusik, 15 Jhdt., aus der Kathedrale von Reims. Und zwar &lt;i&gt;Alleluia Nativitas, &lt;/i&gt;von einem gewissen Guillaume de Machaut.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;span style=""&gt; &lt;/span&gt;Muczikant Meixner und Onkel Johann vergaßen die Zeit. Und der Wald rings um sie verwandelte sich in ein mächtiges Kirchengebäude, das in jeder seiner Fasern von Orgelmusik und Chorälen durchdrungen war. Selbst Fledermäuse flogen nicht mehr und das Blöken der Rehböcke war verstummt. Die beiden nuckelten am zähflüssigen Met und über ihnen lag ein pechschwarzes Frühlingsfirmament, der erstmals in seiner Geschichte eine Gewölbeakkustik zurückstrahlte.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;„Auf&lt;span style=""&gt;  &lt;/span&gt;dass dies Geschehen zerstäubt wird“, murmelte Onkel Johann mit gläsernen Augen.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;span style=""&gt; &lt;/span&gt;„Wahrlich, so soll es sein“ nickte Muczikant Meixner . Und auch Onkel Johann nickte, während das &lt;i&gt;Alleluia&lt;/i&gt; &lt;i&gt;Nativitas &lt;/i&gt;immer tiefer in seiner Seele wütete. &lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Oder der Met.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Oder beides.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;span style=""&gt;                                                                        &lt;/span&gt;* * *&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;span style=""&gt; &lt;/span&gt;&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;span style=";font-family:Arial;font-size:10;"  &gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/10561958-114355772855656853?l=defizit.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://defizit.blogspot.com/feeds/114355772855656853/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=10561958&amp;postID=114355772855656853' title='1 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/10561958/posts/default/114355772855656853'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/10561958/posts/default/114355772855656853'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://defizit.blogspot.com/2006/03/plazenta.html' title='plazenta'/><author><name>joe milla</name><uri>http://www.blogger.com/profile/18218330153412588692</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>1</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-10561958.post-114167128859441464</id><published>2006-03-06T10:52:00.000-08:00</published><updated>2006-03-06T10:54:49.020-08:00</updated><title type='text'>Zong</title><content type='html'>&lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;b&gt;Zong&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/b&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Zong Gui Di wühlte schweißtreibend nach irgendwelchen brauchbaren Überresten. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Doch da war nichts mehr.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Er kniete mit schwieligen Händen und zerrissener, nass-triefender Kleidung auf jenem sonnigen Südhang im Staate Song, wo noch vor kurzem seine Hütte stand. Man schrieb das Jahr 437 vor Christus und das Leben konnte landläufig als durchaus mühseelig bezeichnet werden.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Wie immer in solchen Situationen bestieg Zong Gui Di den sonnenbeschienenen Südhang und stapfte mit wüst gefalteter Stirn und geballten Fäusten auf dessen Spitze, wo sich ein Holzkonstrukt befand auf dem eine Wasserbüffelhaut bespannt war. Von dort hatte er einen herrlichen Ausblick und vor allem Überblick.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Er überblickte den nach Osten mäandernen Yang Tse, dessen Flussschleifen kilometerweit sichtbar, sich schließlich in der Nachbarprovinz Hi Li verloren.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Meist entdeckte er dabei seine Familie, die auch diesmal auf einem Baumstrunk etwa 5 km stromabwärts trieb.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Zong Gui Di betrachtete zähneknirschend die Wasserbüffelhaut, griff dann wie immer zu einer wetterfesten Tinktur – vorwiegend aus Lotusblütenstengeln und Hibiskusblättern hergestellt – tunkte einen präparierten Krähenfuß in sie und ritzte reflektierte Beobachtungs- und Experimentaldaten sowie kontextuelle Kommentare in die ledrige Unterlage. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Diesmal war Zong Gui Di wirklich verstimmt. Die Hauptursache lag hierbei darin, dass er sich ein einer Zeit befand, wo noch niemand so genau wusste, was er von allen Dingen die da passierten, halten sollte und vor allem noch diejenigen fehlten, die solche Wichtigkeiten fieberhaft zusammenfassten, niederschrieben und dem Volke vermittelten.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Alles Denken, Forschen, Erkennen, Dogmatisieren, Verteufeln wie auch Glorifizieren – also jegliche Allgemeingültigkeit fehlte.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Zong Gui Di hatte in diesem periodischen Rausch des Entstehens für sich die g&lt;i&gt;roße Schule der Bewegung&lt;/i&gt; ausgerufen. So ritzte er – nach jeder Erkenntnis die seiner Meinung nach der Bewegung zugrunde lag – alle sein An- und Einsichten sorgsam gegliedert in seine Wasserbüffelhaut. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Nachdem sich Zong zwei Stunden mit Erkenntnissen der Gro0en Schule der Beweung beschäftigt und diese zu Leder gebracht hatte, beschloss er aufzubrechen und seine Familie zu retten. Er sattelte sein Pferd, schwang sich auf dessen Rücken und wartete.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Hier ist anzumerken, dass Zong Gui Di Sympatisant einer Denkschule war, die unter dem Namen Tao um sich zu greifen begann. Eine Vorstellung namens &lt;i&gt;Wu Wei&lt;/i&gt; galt darin als Säule und Zong Gui Di hatte sie quasi in seine &lt;i&gt;große Schule der Bewegung&lt;/i&gt; übernommen: keine sinnlosen Anstrengungen unternehmen und vor allem nichts tun, was der Dynamik der Ereignisse zuwiderläuft.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Folglich wartete Zong Gui Di in sich gekehrt auf dem Rücken seines Pferdes und hoffte innerlich, dass die Rettung seiner Familie sich mit der Dynamik der Ereignisse anzufreunden begann.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;span style=""&gt;                                                                             &lt;/span&gt;*&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;„Das war unser 17. Haus und ich kämpfe wahrlich mit einer inneren Schlange die sich zu einem Drachen auszuwachsen droht. Und eines Tages, lieber Mann, könnte dir dieser Drache seine Fangzähne in die Augenhöhlen rammen. Dies, lieber Mann, ist nur so ein Gedanke.“&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Zi Gui Di, die Frau Zongs, trottete neben ihrem Mann her, der den Pferderücken nicht verlassen hatte, um keine sinnlosen Anstrengungen zu unternehmen. Die drei Kinder stolperten schweigend hinterher.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;„Beruhige dich, Frau“, antwortete Zong. „Die Existenz aller Dinge rührt vom Sein und das Sein vom Nicht-Sein. Wie unser 17. Haus aus dem Sein durch unvorhersehbar unwirtliche Umstände ins Nicht-Sein hinüberglitt, wird unser 18. Haus mit gewogener Kraft aus diesem Nicht-Sein wieder entstehen“.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Zi Gui Di vermied es zu antworten und biss anstatt dessen – aufgrund potentieller innerer Disharmonien – einen Mahlzahn aus ihrem Hintermund, an dem sie eine geraume Weile schweigend lutschte und ihn schließlich in das Flussbett spuckte.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Die Dynamik der Ereignisse haben Zong Gui Di´s&lt;span style=""&gt;  &lt;/span&gt;Pferd erst nach zwei Tagen zu dessen Familie finden lassen. Sein oder Nicht-Sein: die Kinder waren schwer unterkühlt gewesen und Zi hatte sich eine lästige Nebenhöhlenentzündung geholt.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;span style="" lang="IT"&gt;Zong Gui Di grübelte: das 17. &lt;/span&gt;Haus war eigentlich hervorragend ausgelotet gewesen. Südhang, Sonne, Boden, Fruchtbarkeit, Windrichtung – alles verlief konform mit den bisherigen Erkenntnissen der &lt;i&gt;großen Schule der Bewegung&lt;/i&gt;. Die Distanz zum fließenden Wasser hatte gestimmt und die Rundung der Flussschleife hatte auch gepasst: 120 Grad, nahezu eine Idealkrümmung.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Der Yang Tse war trotzdem mit vulkanesker Wucht über die Ufer getreten und hatte Zongs Haus, das exakt 20 Meter über dem Flussbett stand, ins Nicht-Sein befördert.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Als die Gui Di´s&lt;span style=""&gt;  &lt;/span&gt;wieder die Flussschleife erreichten wo einst ihr Anwesen stand, schlug Zong vor ein improvisiertes Lager zu errichten und lud zu innerer Meditation ein wobei er einen freien Mitarbeiterstatus&lt;span style=""&gt;  &lt;/span&gt;innerhalb &lt;i&gt;der großen Schule der Bewegung&lt;/i&gt; in Aussicht stellte. Aufgrund mangelnder Alternativen und völliger Erschöpfung willigte seine Familie ein.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Nach mehrstündigen innerfamiliären, meditativen Verweilens, das Zi Gui Di streckenweise zum Wäschewaschen zweckentfremdete, erhob sich Zong , kniff die Stirn zusammen und zwirbelte hochkonzentriert sein Ziegenbärtchen. Dann schloss er die Augen und presste beide Zeigefinger fest gegen die Schläfen. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Zong Gui Di stand so eine Weile da. Die Kinder saßen schweigend um das Feuer und Zi kochte mitlerweile ein Süppchen. Schließlich nickte Zong zweimal bedeutungsvoll, holte den Topf mit der Lotus-Hibiskustinktur vom Feuer, schob den Krähenfuß in seinen Hosenlatz und erklomm erneut den Hügel um seine Wasserbüffelhaut zu besuchen. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Er kleckste das Leder wie besessen mit Analysen der letzttägigen empirischen Studien voll und am Ende war die &lt;i&gt;große Schule der Bewegung&lt;/i&gt; um ein gewichtiges Kapitel reicher. Der Tag begann zur Neige zu gehen und Zong stampfte mit einem Gewinnerlächeln den Hügel hinab um erneut Großes zu vollbringen.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;span style=""&gt;                                                                        &lt;/span&gt;*&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;8 Wochen dauerte der strategische Haus-Neubau der Familie Gui Di bzw. das Entstehen von Sein aus Nicht Sein. Zong Gui Di hatte in sein Zusatzkapitel noch mehr Parameter, die auf Bewegung Zugriff hatten, miteingeflochten und ein nach außen offenes Bezugssystem kreiert. Die Dramaturgie des Geschehens war nun fundamental der Dynamik der Ereignisse zugesprochen und alle Elemente wurden als gleichwertig behandelt.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Zong hatte seine neue Behausung wieder an der Flussschleife errichtet. Aber diesmal knapp über dem Wasserspiegel. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Philosophisch-okkulte Strömungen waren im&lt;span style=""&gt;  &lt;/span&gt;China des 5. vorchristlichen Jahrhunderts noch mangelhaft ausgeprägt. Animistisches Allerlei kopulierte mit Spritituell-Religiösem, das sich langsam vom südlichen Indien heraufwälzte. Synergien wurden eingegangen, manches wieder ausgespuckt und weiter Richtung Osten, bis nach Japan gereicht. So gesehen konnte&lt;span style=""&gt;  &lt;/span&gt;Zong Gui Di durchaus als Avantgardist seiner Zeit und Geographie betrachtet werden.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Zwei Begriffe waren aber schon damals virulent: sie hießen yin und yang.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Yin und yang befanden sich&lt;span style=""&gt;  &lt;/span&gt;zu dieser Zeit in einem eher primitiv okkulten Deutungsstatus wie &lt;i&gt;kalt/Norden&lt;/i&gt; (yin), &lt;i&gt;warm/Süden&lt;/i&gt; (Yang) bzw. &lt;i&gt;Erde/Mond&lt;/i&gt; (yin) und&lt;i&gt; Sonne&lt;/i&gt; (yang). Es waren einfache Richtlinien, die den Menschen halfen einem volkstümlichen Dualismus zu fröhnen,&lt;span style=""&gt;  &lt;/span&gt;ein wenig Orientierung zw. Himmel und Erde zu erlangen und mglw. die eine oder andere Wechselwirkung zw. den Dingen herauszufiltern. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Allenfalls meinte Zong Gui Di, dass dies zu wenig wäre. Hinsichtlich der Interpretationselastizität gaben die Begriffsdeutungen zu wenig her. Also reicherte er sie mit an mit &lt;i&gt;aktiv/bewegt&lt;/i&gt; (yang) und &lt;i&gt;passiv/unbewegt&lt;/i&gt; (yin). Später sollte noch mehr daraus werden. Doch alles zu seiner Zeit.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Jedenfalls saß Zong Gui Di nun auf der Terrasse seines neuen Häuschens, zwirbelte sein Ziegenbärtchen und harrte der Dinge die da kommen würden.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Und es kam yin-Regen. Ein passiver, emotionsloser Landregen, der hektoliterweise vom Himmel fiel und in Bälde yang zu werden drohte.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Zong Gui Di hatte alle Vorkehrungen getroffen und das Haus nach seinen Vorstellungen absolut yang-fest gemacht. Ein sonnendurchfluteter Südhang (yangyang) auf dem ein Häuschen still stand (yin). Wenn aber das Sein aus dem Nichts und umgekehrt kam, so musste auch aus yin yang werden können und umgekehrt so wie aus einem einzelnen Mann eine ganze Armee und aus der Schlange ein Drachen werden konnte.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;So gesehen war Zong nichts anderes übrig geblieben als sein yin-Häuschen mit einer yang-Option zu versehen. &lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Das Haus der Gui Di´s&lt;span style=""&gt;  &lt;/span&gt;galt quasi als &lt;i&gt;state of the art&lt;/i&gt; der &lt;i&gt;großen Schule der Bewegung&lt;/i&gt;.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Da der Wasserspiegel des Yang Tse stündlich nach oben driftete, empfahl Zong Gui Di seiner Familie das Haus nicht mehr zu verlassen. Die Kinder saßen schweigend um die Feuerstelle und seine Frau Zi brühte ein traditionelles Süppchen. Nebenbei schüttelte sie immer wieder den Kopf und meinte, dass Häuser, die an einer Flußaußenschleife erreichtet werden, purer Schwachsinn seien. Das sei auch nur so ein Gedanke, ergänzte sie. Doch Zong Gui Di erwiderte, die Flußaußenschleife hätte -aufgrund ihres yang-Status – einfach eine größere Affinität zur &lt;i&gt;großen Schule der Bewegung&lt;/i&gt;. Sie könne das oben, in den wasserbüffelhäutigen Niederschriften, nachlesen. Es sei alles komplex durchdacht&lt;i&gt;.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;i&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;In jenem Augenblick, als Zong fertig doziert hatte, erfasste der Yang Tse die gesamte Gui Di´sche Behausung inklusive Bewohner und riss sie in einem so genannten yang-Effekt mit sich. Der&lt;span style=""&gt;  &lt;/span&gt;Augenblick des Erfasst- und Fortgerissenwerdens verzückte Zong Gui Di derart, dass er mehrmals hintereinander ejakulierte. Einfach so. Dann verlor er die Besinnung.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;span style=""&gt;                                                                             &lt;/span&gt;*&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Als Zong Gui Di wieder erwachte reichte ihm seine Frau eine Schale mit frischem Süppchen aus Flussalgen. Seine Kinder saßen wie immer schweigend neben der Feuerstelle und starrten Richtung Westen, wo gerade die Sonne unter zu gehen begann.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;„Du hast beim Übergang von yin auf yang das Bewusstsein verloren, lieber Mann, und mehrmals in deine Hose ejakuliert. Ich hoffe es geht dir mittlerweile&lt;span style=""&gt;  &lt;/span&gt;besser“.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Zong Gui Di erhob sich etwas benommen von seiner Liegestätte, streichelte die Köpfe seiner teilnahmslosen Kinder, atmete tief duch und blickte glücklich um sich. Sein Haus trieb – in sich manifest – auf dem Yang Tse.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Zong Gui Di hatte ein Hausboot gebaut und seine Rechnung war voll aufgegangen. Die &lt;i&gt;große Schule der Bewegung&lt;/i&gt; hatte einen Quantensprung vollzogen.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Alle Elementarteilchen in Zongs Körper schwangen hochfrequent im mattgelben Abendlicht. Er fühlte sich leicht wie eine Hühnerfeder in einem Wintergewitter.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;„Liebe Frau, liebe Kinder“, entströmte es ihm, „es ist Zeit für ein Liedchen“.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Er griff nach einem prähochkulturellen, alten chinesischen Saiteinstrument, setzte sich auf den Bug seines&lt;span style=""&gt;  &lt;/span&gt;Hausbootes, blickte in die untergehende Sonne und begann – seinen hochfrequenten Elementarteilchen entsprechend – zu musizieren.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Anfangs improvisierte er, hantelte sich von Fünftonriff zu Fünftonriff, war dabei ungemein experimentell, kippte aber schließlich in einen ¾ Takt, in ein &lt;i&gt;n´tscha n´tscha n´tscha&lt;/i&gt;.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Sein Becken schien zunehmend zu oszillieren während seine Kniegelenke immer weicher wurden., die Schulterblätter sich im Ganztakt hoben und senkten und das anfänglich tönende Krächzen in ein rauchiges Vibrato überging.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Ein augenscheinliches yang-Vibrato schien Zong Gui Di zu bewegen.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;i&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;i&gt;„Ohhh&lt;/i&gt; -, ohhhhhh yeahhh – ohhhhhhhhhhz ye-ahhhhhhhh!!“ (n&lt;i&gt;´tscha n´tscha n´tscha &lt;/i&gt;…)&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;i&gt;&lt;span style="" lang="EN-GB"&gt;(E) Yes I was born in the country – never been to to-own&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;i&gt;&lt;span style="" lang="EN-GB"&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;i&gt;&lt;span style="" lang="EN-GB"&gt;(A) Yes I was born in the country – never been to to-own&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;i&gt;&lt;span style="" lang="EN-GB"&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;i&gt;&lt;span style="" lang="EN-GB"&gt;(H) Lord I´ll never go to a big city-y&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;i&gt;&lt;span style="" lang="EN-GB"&gt;(A) wastin my time there&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/span&gt;&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;i&gt;(E) running around (...)&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;i&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;i&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Noch nie dagewesene Laute tönten von der Flussmitte des Yang Tse und Augenzeugen berichteten, dass sie einen Mann sahen, der mit einer Leier in der Hand Unverständliches brüllend, auf einem im Wasser treibenden Haus herumhüpfte, dessen Frau um einen Kochtopf tanzte und von einer handvoll eher unbeweglicher yin-Kinder, die aber in eigenartigen Abständen immer wieder &lt;i&gt;huh-huhhh&lt;/i&gt; gröhlten.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Das Hausboot der Gui Di´s&lt;span style=""&gt;  &lt;/span&gt;trieb in den Sonnenuntergang und die Kunde über die Geschehnisse um die &lt;i&gt;große Schule der Bewegung&lt;/i&gt; breitete sich wie ein Lauffeuer über Zentralchina.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Zong Gui Di´s Kenntnisse über die elementaren Grundsätze von Bewegung und Menschsein, in Gesundheit, Glück und Harmonie mit dem räumlichen Umfeld brachten ihm Meisterstatus.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Der Name der Schule mutierte im Laufe der Jahre von &lt;i&gt;großer Schule der Bewegung&lt;/i&gt; hin zu &lt;i&gt;Feng &lt;/i&gt;(von ursprüngl. Mandarin/ &lt;i&gt;Fing&lt;/i&gt; = Körpersaft, Sperma) &lt;i&gt;Shui&lt;/i&gt; (ursprüngl. Shu-hi = überraschender Besuch, unerwartetes Aufeinandertreffen). Etwa ab Beginn der Tang Dynastie (618-907) einigte man sich auf&lt;span style=""&gt;  &lt;/span&gt;&lt;i&gt;Samen der kommt ohne gerufen zu werden.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;i&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Die Kunst begann sich zu einem richtigen Boom auszuwachsen.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Hunderte Häuser trieben den Yang Tse hinab.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Manche versanken, manche nicht.&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;Und Zong Gui Di versammelte scharenweise Jünger um sein Hausboot, die alle jenem Samen nachspüren wollten, der kam ohne gerufen worden zu sein: FENG SHUI&lt;o:p&gt;&lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;i&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;i&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/i&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal" style=""&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;o:p&gt; &lt;/o:p&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/10561958-114167128859441464?l=defizit.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://defizit.blogspot.com/feeds/114167128859441464/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=10561958&amp;postID=114167128859441464' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/10561958/posts/default/114167128859441464'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/10561958/posts/default/114167128859441464'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://defizit.blogspot.com/2006/03/zong.html' title='Zong'/><author><name>joe milla</name><uri>http://www.blogger.com/profile/18218330153412588692</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-10561958.post-114031764437513841</id><published>2006-02-18T18:52:00.000-08:00</published><updated>2006-02-18T18:54:04.600-08:00</updated><title type='text'>liebe</title><content type='html'>Liebe&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Wie lange häh?, wie lange bist du oben gewesen?“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Ich? Ähh ... ich ...??“. Gilbert stotterte. Wie lange war er oben gewesen? Einige Minuten, vielleicht eine Viertelstunde. Maximal. Doch eine Viertelstunde wäre eindeutig zu lange gewesen, also wollte er es mit 5 Minuten versuchen. 5 Minuten müssen o.k. sein. Bitte, dass ist ja unfassbar. Fünf  winzige Minuten. Aber möglicherweise ... in 5 Minuten kann verdammt viel passieren. Gilbert hielt beide Handflächen beschwichtigend nach vorne.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Vielleicht 4 Minuten. Ich hab nicht auf die Uhr gesehen, ehrlich.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„So, du hast nicht auf die Uhr gesehen, was? Woher weißt du dann, dass es 4 Minuten waren, hä?.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Grobe Schätzung, also kurz rauf, das Benzingeld hingelegt, den Autoschlüssel zurückgegeben und dann ...“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Dann was, häh, was dann ?!“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nadine hatte ihn in die Ecke gedrängt. Seine Schultern klebten zwischen Klotüre und Kleiderständer. Sein Bewegungsradius war gleich Null. Nadines grünblaue Augen blitzten und stachen so furchterregend, als wären sie im Stande Rohdiamanten zu zerkratzen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gut, er hatte wirklich einen kleinen Mokka getrunken und eine Zigarette geraucht. Ohne jede Absicht. Und während er die schwarzbraune Brühe hinuntergestülpt hatte waren ihm schon die Schweissperlen aus den Poren getreten. Zeit, Zeit, war es ihm ständig durch den Kopf geschossen. Gleich einer Lunte, die langsam vor sich hinbruzelte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Bitte“, flehte er, „bitte Nadine, es gibt überhaupt keinen Grund aggressiv zu werden, ich ..“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Was heisst hier aggressiv. Aggressiv !?“ – Nadine donnerte  den Baseballschläger gegen den Kleiderständer. Ein Wintermantel, zwei Mützen und ein Anorak verhedderten sich in Gilberts Oberarmen die er zur Deckung hochgefahren hatte. Ein zweiter Schlag, zertrümmerte das Telefontischchen neben seinem linken Knie. Gilbert taumelte nach rechts, die verhedderten Arme nunmehr noch höher gezogen verlor er Sekundenbruchteile später das Gleichgewicht und riss die ganze Vorrichtung mit sich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Ich bin aggressiv, hä ? Während du mit dieser Nutte da oben stundenlang vögelst bin ich aggressiv ? Du kannst dir dein dreckiges Spiel in die Haare schmieren du mieses, du verlogenes Schwein.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gilbert wusste, dass sie gleich wie  wie von der Hornisse gestochen den Vorzimmerschrank kippen würde.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Voll mit Unterhosen, Bodies und Kinderbekleidung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gilbert verkroch sich noch tiefer in Teilen des Wintermantels während das Zeug sich schrill krachend im Zimmer verteilte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er konnte augenblicklich  nichts sehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das war gut so.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das einzige was er zum Abschluss fühlte war ein wüster Tritt in die Magengegend der aber großteils in den Anoraks verpuffte.&lt;br /&gt;Dann  spuckte eine ins Schloss wuchtende Türe Glassplitterbruch über ihn und schließlich war es ruhig.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ganz still.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gilbert schaufelte sich aus seinem Textilgrab und kroch auf allen Vieren zur Türe, öffnete sie und blickte in den Flur.&lt;br /&gt;Alles friedlich.&lt;br /&gt;Er setzte sich auf, lehnte seinen Rücken gegen die nächste Wand und steckte sich eine Dromedarzigarette zwischen die Lippen..&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gilbert zog zweimal tief durch und bließ Rauchkringel in das menschenleere Stiegenhaus.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;                                                                    *&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Haus als solches beherbergte neben Nadine und Gilbert noch Ursl, eine Singlefrau, die sich vor allem um drei Dinge kümmerte: um sich selbst, um sich selbst und um sich selbst. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Also etwas differenzierter beschrieben könnte man  noch hinzufügen: aufgrund einer Nahrungsmittelphobie, die sie völlig wehrlos in die Arme von exorbitant überteuerten Biolädenketten trieb, litt ihr Haushaltsbudget dermaßen, dass sie sich industriell-plebäische Grundnahrungsmittel im gesamten Haus zusammenklauen musste. Was im Laufe der Jahre  zwei weitere Phobien produzierte: erstens jene, zwanghaft klauen zu müssen und zweitens die daraus folgende, nämlich dabei ertappt zu werden und sich als getrieben assozial zu fühlen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sobald beide Szenarien in verdichteter Form in Erscheinung traten, reagierte  Ursl laut Plan X: Sie lief kreischend und schreiend  in ihr kleines Wohnstudio im obersten Stock und verschanzte sich ein Monat lang hinter ihrem Computer. Speziell während solcher Monate gehörte sie sich nicht nur zu 100 % selbst. Nein. In  solchen Monaten versuchte sie die Prozentrate zu steigern. So etwa auf 130 bis 140 %. In solchen Perioden steuerte eine Endlosschleife durch ihren Kopf. Die sogenannte Ich-Ursl-alles-mir-selbst-Schleife.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Meist endete solch eine Phase mit einer Internetbekanntschaft. Dann gönnte sie sich etwas. Etwas für sie ganz alleine. Zum Beispiel zwei Wochen lang vögeln mit einem zahnlosen Rinderzüchterr in US-Montana. Häufig ließ sie sich dabei einfliegen und wieder ausfliegen was letztendlich tiefe psychohygienische Schrammen hinterließ. Die sie wieder zu heilen trachtete. Indem sie sich etwas gönnte. Kleine Belohnungen, nur für sie selbst natürlich. Ein Bioladen Fresspakat um 300 Euro etwa. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Oft  klopfte bald darauf das übrige Kollektiv an Ursls Tür und klatschte ihr ein Paket offener Rechnungen auf den Tisch, während sie sich noch immer irgendwelche Tofupasten hineinschob und an ihren ahornsiruptriefenden Fingerspitzen nukelte. Strom, Gas, Miete, Telefon und dergleichen. Ursls Reaktion war bemerkenswert, strategisch eher simpl gestrickt aber  sozialpsychologisch unglaublich interessant. Plus-minus etwas in der Art von:&lt;br /&gt; „Ich hab zur Zeit einfach überhaupt kein Geld.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schulterzuck.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Fertig.. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ursl war mitlerweile 30 und galt als Semipflegefall, Kategorie Riesenbaby. Ursls Dilemma dabei war, unter anderem natürlich, der inferiore Beziehungs-Marktwert von Riesenbabies. &lt;br /&gt;Niemand wollte Riesenbabies.&lt;br /&gt;Einfach niemand.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und last but not least war da noch Franka mit ihrer Tochter. Im Gegensatz zu Ursl vermochte Franka alles zu teilen. Männer, Frauen, Nahrungsmittel, Wohnraum, Autos, Zahnbürsten, Handttücher, Kondome.  Absolut alles. Das klang vor allem umso aufrichtiger, je mehr Franka ihre Mandelaugen auf Halmast setzte und lasziv die Wahrhaftigkeit spontan gelebter körperlicher Sehnsüchte beschwor. Mit einer leise gehauchten Stimme und stark gedehnten Vokalen, die Frankas provinzielle Abstammung verrieten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Für Nadine, deren ethisches Selbstverständnis im aristokratischen Milieu der Jahrhundertwende wurzelte, war Franka die simple Ausgeburt einer proletarischen Schlampe.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;                                                           *&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gilbert erhob sich nach einer Weile und stapfte die Stiegen hinunter in den Hinterhofgarten. Seine dünnen Haare wucherten wie immer wüst in alle Richtungen. Heute vielleicht noch ein wenig wüster. Er wusste, dass er sich nur in einer Feuerpause befand. Nicht mehr und nicht weniger. Jeden Augenblick konnte der Wahnsinn weitergehen, wobei die Wahl der Waffen nicht abzusehen war. Auch nicht das Ausmaß der Kolateralschäden.&lt;br /&gt;Gilbert hatte schon vor einigen Monaten begonnen in Metaphern aus Kriegsvokabular zu denken. Wobei er es eigentlich wider Willen tat. Aber es war für ihn die einzige Sprache die die Vorgänge der letzten Monate zu beschreiben vermochte. Zumindest die einzig ihm zugägliche Sprache..&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Garten war nicht allzu gross. In seiner Mitte stand ein altes Waschhaus wie sie es noch Anfang des letzten Jahrhunderts verwendet haben. Rechts davon hatten sie einen kleinen Gemüsegarten angelegt. Einen von der eher traurigen Gestalt.  Ein paar Tomatenstauden, ein Paprikapflänzchen, Karotten, von denen niemand so richtig wusste wie es tasächlich um sie stand und basilikumlastiges Kräuterallerlei. &lt;br /&gt;Gilbert atmetete noch einige male schwer durch und sank schließlich inmitten des Tomatenbeetes zu Boden. Von rechts kroch der Basilikum angenehm in seine Nasenlöcher. Und über seinem linken Auge baumelte eine rotgrüne Tomate.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Weiter oben quietschten von Zeit zu Zeit offene Fensterläden, die durch launische Windböen gebeutelt wurden. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Warum sie wohl keine Zitronenmelisse angesetzt hatten?, dachte Gilbert. &lt;br /&gt;                                                                      &lt;br /&gt;                                                                    *&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gilbert saß in einem großen Raum. Einem von der Sorte wie sie in Psychiatriefilmen vorkamen. Weißes gleißendes Licht, minimalistisches Interieur. Vielleicht ein Tisch, zwei Stühle, irgendwo eine Couch möglicherweise. Und ein sandfarbener Schrank mit Ordnern, Mappen, ein wenige Fachliteratur und Broschüren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nadine stand in der Mitte des Raumes, einen Staubsaugerschlauch in ihrer Hand. Sie tauschte gerade das Aufsatzteil und montierte ein schmales Saugrohr, um in kleine Ritzen zu kommen, die es eigentlich hier nicht gab.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Weisst du eigentlich, dass sie stinkt?“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Wer stinkt?“  Gilbert hing - wie meist - etwas verlegen auf der Couch und suchte in seinen Taschen nach Zigaretten die er nicht besaß.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Riechst du das nicht? Sie schweisselt. Am ganzen Körper“. Nadine hatte den kleinen Aufsatz montiert und betrachtete zufrieden ihr Werk.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„So? Ist mir noch nicht aufgefallen“.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Ist dir noch nicht aufgefallen,? Aha. Sehr interessant. Dieses Stück Dreck klebt 24 Stunden am Tag wie eine Klette an dir, sie schweisselt dermaßen, dass es einem aus drei Metern Entfernung die Füße wegzieht, und dir ist es noch nicht aufgefallen. M-hmm“.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Solch Situationen waren häufig, eigentlich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit, der Initiator für Nadines Metamorphosen. Dabei begann ihr Körper zu einem leicht zuckenden, roboterhaften Konvolut zu erstarren, den Augen wich das sanfte grünblau  und machte den stechend rötlichen Feuerbällen Platz. &lt;br /&gt;Der Rest des Gesichts fror zu einer venezianischen Karnevalsmaske.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nadines augenscheinlichstes Merkmal  für Freunde und Bekannte war gleichzeitig ihr argumentatives Vietnam.&lt;br /&gt;Nadine war Fortpflanzungsfetischistin. &lt;br /&gt;Also, wie gesagt, warum sie Fortpflanzungsfetischistin geworden war, sozusagen, war ihr selbst nicht ganz klar. Eines stand fest: in der Reproduktion fand sie Geborgenheit und Sinn, getragen von etwas geradezu Spirituellen, beinahe Mystischen. Entwachsen einem Zustand des Alleredelsten. Folglich nutzte Nadine annähernd jede  fruchtbare Phase um sich zu reproduzieren. Wie gesagt, dass waren nicht wirkliche ihre Argumente. Dass vermuteten vielmehr die anderen.&lt;br /&gt;Manche behaupteten, dass dieser Prozess süchtig machen kann. All der in teuflische Bewegung geratende Hormonsalat, der nach oben gallopierende Östrogenspiegel und ähnliches sollen rauschähnliche Zustände hervorrufen..&lt;br /&gt;Nun ja, unterm Strich hatte Nadine bereits seit langem Liebesfruchtprotagonisten und quäkerähnliche hard core Phänomene wie die Kelly Familie hinter sich gelassen. &lt;br /&gt;Keiner vermochte so richtig und auf Anhieb die Anzahl ihrer Kinder zu nennen. &lt;br /&gt;Es waren jedenfalls verdammt viele. Und sie waren immer irgendwo. Manchmal da. Manchmal weg. Bei irgendwelchen Vätern oder anderen stark fluktuierenden Betreuungserscheinungen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Doch jetzt befand sich Nadine gewissermaßen in einer Sinnkrise. Bzw. begann sie sich solche oder artverwandte Fragen zu stellen wie: gibt es ein Leben nach der  Reproduktion?. Beispielsweise.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dass sie in dieser Phase bei Gilbert hängengeblieben war, verstand niemand so richtig.  Gilbert galt als haltloser Lebensweltensurfer, der – wenn überhaupt – nur einen Schönwetterpropheten der 3. Liga zu immitieren vermochte. .&lt;br /&gt;Allerweltstheorien von hier und da, meist ein wenig existentialistisch. Kaum Trost für den Zuhörer. Eher eine Anleitung  zum Suizid. Negativdefinitionen zuhauf, durchmischt mit einer sozialparasitären Getriebenheit, die er durch einen permanenten stop &amp; go zickzack-Kurs zu kaschieren versuchte. Meist lag er irgendwo rum, drehte Haschischjoints oder versuchte einfach nur  arrogant zu wirken.&lt;br /&gt; Wie auch immer. Alle hatten ihr abgeraten. Aber Nadine hatte es sich anfangs so eingebildet und später, als Gilbert quasi zu einem Möbel mutiert war, nun, sie hatte ihn jedenfalls weiterhin mitgeschleppt. Als würde er irgendwann - wie ein unterschätztes art deco Teil - doch  noch  etwas wert werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Also Franka stank. Das  war neu. Und es verschlechterte Gilberts Status ohne Zweifel. Nun trieb er es in Nadines Augen  nicht nur mit einer miesen, haltlosen, dreckigen, verlogenen Schlampe. Nein, nicht genug, nun auch noch mit einer stinkenden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gilbert erhob sich von der Couch. Nadine saß am Staubsauger, den Schlauch noch immer in den Händen. Ihre venezianische Karnevalsmaske starrte in das polierte Fischgrätenparkett. So was verhieß nichts gutes. &lt;br /&gt;Gilbert dachte an die zwei Dutzend völlig durchgeknallten Auszucker, die er bisher erlebt hatte. Von seinem unteren Rücken begann eine Gänsehaut nach oben zu laufen. Seine Fingerkuppen furchten nervös über den Couchbezug, die Backenzähne rieben aneinander. Er wußte, dass er hier nicht mehr rauskam. Nicht einfach so. Und  er wußte noch etwas. In diesem Schrank, unterhalb der Ordner und Broschüren, befand sich eine Flinte. Sie war geladen. Natürlich war sie geladen. Die Flinte im Schrank war immer geladen.  Er stampfte bestimmt und direkt an Nadine vorbei, die mitlerweile einem Druckkochtopf mit defektem Ausgleichsventil glich.  Er erreichte den Schrank. Der Schlüssel steckte. Gilberts Brustkorb hob sich einmal, dann noch einmal. Er drehte den Schlüssel zweimal nach rechts. Die Tür sprang ihm entgegen. &lt;br /&gt;Und da war sie. Eine haselnussbraune Flinte. Sah   aus wie ein Jagdgewehr.  Gilbert zögerte nur Bruchteile von Sekunden. Dann riss er die Flinte an sich und schwenkte sie um 180 Grad.&lt;br /&gt;Nadines physischer Ausdruck hatte sich in dieser kurzen Zeit extrem authentisch verdichtet. Ihr Brüllen drang in springflutartigen Schallwellen zu ihm herüber. Ihre beiden Hände umkrallten den Saugschlauch und der Staubsauger selbst  zirkelte wie ein Torpedo durch den Raum während sich Nadine in entrückter Trance um die eigene Achse drehte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gilbert schoss ruhig und trocken. Etwa 18 mal. Zwölf mal auf Nadine und sechs mal auf den Staubsauger.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;                                                                            *&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Hihi, mitten im Tomatenbeet...“  hörte Gilbert aus nächster Nähe. Als er die Augen&lt;br /&gt;aufschlug kletterte rund ein halbes Dutzend Kinder auf ihm herum.&lt;br /&gt;Franka goss gerade die Blumen. Ihre Zehen dicht neben seinen Kopf.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Und, gut geschlafen?“ &lt;br /&gt;Gilbert öffnete kurz den Mund, schloss ihn aber gleich wieder. Er hatte noch immer etwas &lt;br /&gt;Basilikumgeruch in der Nase, aber diesmal war etwas anderes dabei. So eine Mischung aus &lt;br /&gt;Elastan, Polyacryl  mit ..., also obwohl er augenblicklich nicht ganz auf der Höhe war &lt;br /&gt;hätte er  schwören können es war: Schweiß.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Franka dampfte richtiggehend aus ihrem Kunststoffzeug. Gilbert blieb liegen. Er sah sich außerstande aufzustehen. Unmöglich.  Wer weiß, was gleich passieren würde. Immerhin war er mit Franka im Garten. Das reichte für ein mehrtägiges Fiasko mit zahlreichen Sach- und Personenschäden. Und wenn er schon mal am Boden war konnte sich seine Position kaum wesentlich verschlechtern.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Mensch, du bist ja ordentlich verschwitzt“. Gilbert entglitt dieser Satz sehr lapidar.&lt;br /&gt;„Natürlich bin ich verschwitzt. Und wie verschwitzt ich bin. Ich bin Subprolo. Hast du das vergessen? Die schwitzen enorm. La-la-la...“ &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Franka grinste und lenkte den Wasserstrahl Richtung Paprikapflänzchen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das stimmte. Franka kam von ganz unten. Obwohl das von außen kaum erkennbar war, so galten für sie in vielen Dingen andere Parameter als für Leute, die aus der Mittelschicht oder darüber kamen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gilbert mochte Franka. Nun, vielleicht war es auch nur ein gewisser Respekt, den er ihrer Lebensführung entgegenbrachte. Sie hatte unglaubliche Nehmerqualitäten, war fast durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Behielt länger die Nerven als fast alle anderen Menschen die Gilbert kannte. So was macht Eindruck.&lt;br /&gt;Obwohl sie sehr oft scheiterte, da sie das Konstrukt ihres ganz persönlichen Mikrokosmos` gnadenlos und mit störrischer Penentranz auf andere Mikrokosmosse übertragen wollte. Inklusive Regeln, Belastungsgrenzen und – wie gesagt – Nehmerqualitäten. Andersrum: wer will schon Kondome teilen? Oder stellen sie sich vor, sie sind gerade frisch verheiratet, absolutes Zweier-Liebesding, gerade mal eine Woche amtlich bestätigt und Franka kommt um halb zwei Uhr früh in  ihr Schlafzimmer, mit irgendwelchen brauchbaren Utensilien wie beispielsweise Gummischwänzen oder  einem soliden Peitschensortiment und schlägt einen kreativen Dreier vor? Oder sie wollen nur schnell zum nächsten Bäcker für einen Leib Brot und Frühstückssemmeln, steigen bei Franka ins Auto, die hält in zweiter Spur, huscht schnell in die Bankfiliale auf der gegenüberliegenden Strassenseite, kommt nach wenigen Minuten mit zwei Plastiktüten wieder raus, springt ins Auto, die quietschenden Reifen hinterlassen ein halbens Kilo Gummi auf der Fahrbahn und ihm Rückspiegel sehen sie gerade noch einen hoch enervierten Tomatenkopf aus der Bank heraushechten der „Überfall, Überfall!“ brüllt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber Liebe? Liebe war für Gilbert nichts als ein sich ständig verändernder biochemischer Prozess. So etwas wie ein Automobil. Ein logarythmischer Selbstgänger. Also eine Kurve die irgendwie verlief. Wann und auf welchem Punkt es Liebe oder der Anflug von Liebe oder einfach Zuneigung oder Liebe in Progress oder einseitiges Dahinschmelzen, beiderseitige Extase, dass beginnende Vertrocknen einstiger Passionsfrüchte  oder sonst etwas darstellte, war für ihn nichts mehr als die blödsinnige Inszenierung von subjektiven Welten mit dem noch schwachsinnigeren Anspruch der Allgemeingültigekeit.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"So was muß  man sich mal vorstellen ...", sagte er immer, wenn er Haschischjoints drehte, monologisierte und arrogant zu wirken versuchte - "... subjektive Welten, also die Weltsicht irgendeines Menschen inklusive dessen Sehnsüchten, Vorstellungen, Wünschen und Bedürfnissen, treffen auf irgendeinen anderen Menschen, mit mglw. völlig anderen Sehnsüchten, Vorstellungen, Wünschen und Bedürfnissen. Und diese beiden sollen in einem akrobatischen Anflug von - nennen wir es Annäherung, gleichzeitig und völlig übereinstimmend einen abstrakten Terminus befriedigen, der von irgendwelchen dahergelaufenen Schöngeistern „Liebe“ genannt wird. Welch krankes Anforderungsprofil (...)".&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gilbert schauderte es nur bei dem Gedanken daran. Adrinalin strömte durch seinen Körper. Doch Gilbert blieb liegen. Jetzt galt es vor allem liegen zu bleiben.&lt;br /&gt;Von draussen tönte eine Türklingel. Gilbert hörte Stimmen. Er schloss die Augen. Schuhabsätze klapperten über die Stiegen, wurden lauter. Sie bewegten sich unzweifelhaft Richtung Hinterhofgarten. Dann der Auftritt. Ursl, Nadine und eine Handvoll Kinder. &lt;br /&gt;Gilbert hatte die Augen noch immer geschlossen. Ein inniger Wunsch durchflutete ihn. Er wollte verschwinden, sich auflösen.&lt;br /&gt;Einfach abbiegen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wegwegweg. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zu spät.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;                                                                               &lt;br /&gt;                                                                               *&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„ ... im Tomatenbeet getrieben, du Nutte ... “,  hörte er noch halbdeutlich. Was dann folgte  war akkustisch nicht mehr fassbar&lt;br /&gt;Nadine stürtzte sich ansatzlos und mit einer mächtigen Zuccini in der Hand auf Franka während Gilbert im Hintergrund plötzlich U-Boot-Romeo auftauchen sah. U-Boot-Romeo galt als Frankas Haussklave und guter Geist des Kollektivs. Mehrmals wöchentlich tauchte er auf, wie aus dem Nichts kommend, und vollbrachte durchwegs Gutes. Reparaturen, Kinderbetreuung und so Sachen. &lt;br /&gt;Gilbert – noch immer am Boden liegend – hob die linke Hand und deutete auf  eine Ansammlung kleiner Menschen. Die Kinder. U-Boot-Romeo verstand augenblicklich. Gemeinsam und so schnell es ihnen inmitten des augenblicklichen Sperrfeuers gelang, sammelten sie die Knirpse ein und trieben sie ins Haus zurück.&lt;br /&gt;Franka und Nadine hatten mitlerweile das Tomatenbeet – aus dem Gilbert gerade noch rechtzeitig  geflüchtet war – völlig zerlegt und rollten derb kreischend und wüst ineinander verkeilt Richtung Kräutergarten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gilbert und U-Boot-Romeo brachten die Kinder in das erste Stockwerk, legten in atemberaubender Geschwindigkeit ein 60 minütiges Pipi Langstrumpf Video ein und setzten einen 10 Liter Milchtopf auf um Kaukau zu brühen.&lt;br /&gt;Dann ließ Gilbert U-Boot-Romeo – der an einer Gewaltphobie litt – zurück und stürmte wieder die Treppen hinunter in den Hinterhofgarten. Am letzten Treppenabsatz rammte er versehentlich Ursl, die sich gerade auf leisen Sohlen und mit drei Gläsern biologischem Schafsjoghurt aus dem Staub machen wollten. Ursl fiel extrem unglücklich. Eines der Gläser zerbrach direkt unter ihrem Gesäß. Spötterzungen hätten möglicherweise behauptet, dass Ursl diesmal wahrlich – wenn auch kontrolliert biologisch - den Arsch offen habe. Jedenfalls traten ihre Augen wie genmanipulierte basitof`sche Superäpfel aus den Höhlen. Und ihr Mund öffnete und schloss sich nahezu so geräuschlos,  wie der eines  Weihnachtskarpfens, 10 Minuten nachdem sie ihn aus der Badewanne gefischt hatten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gilbert hielt inne. Das hier war der absolute Wahnsinn.  Und er basierte-  laut Gilbert - auf einer Verkettung dramatischer Missverständnisse.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kennen Sie das Konzept des „Symbolischen Interaktionismus?“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nein?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es geht davon aus, dass der Mensch nicht nur in einer natürlichen sondern auch in einer „symbolischen“ Umwelt lebt. Als ein Wesen, dass den Dingen seiner Umgebung „Bedeutung“ zuschreibt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dem liegen drei Prämissen zu Grunde:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Menschen handeln den „Dingen“ ihrer Umwelt - wie Personen, Gegenständen,  Ereignissen, Ideen  usw. – gegenüber auf der Grundlage der Bedeutungen, die diese Dinge für sie besitzen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Bedeutung dieser „Dinge“ entsteht bzw. wird abgeleitet aus den sozialen Interaktionen, die Menschen miteinander eingehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und diese Bedeutungen werden dann – im Zuge der Auseinandersetzungen mit diesen   „Dingen“ – interpretativ benützt und gegebenfalls auch wieder verändert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;So weit so gut.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Irgendwo weiter unten steht dann, dass diese Bedeutungszuschreibungen an subjektive Interpreationsleistungen gebunden sind und darüber hinaus keine stabilen Größen darstellen. Also so etwas wie New Economie Aktien sind.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und ganz unten ist schließlich zu lesen, dass das Zustandekommen von VERSTÄNDIGUNG zwischen Kommunikator (dem der spricht) und Rezipienten (dem der das hört) vorraussetzt, dass beide idente oder zumindest sehr ähnliche Bedeutungszuschreibungen besitzen. Also von annähernd den selben Dingen ausgehen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein sehr nützliches Konzept eigentlich. Vielleicht ein wenig theorielastig.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gilbert saß im Stiegenhaus und rauchte Dromedarzigaretten. Im Hinterhof tobte noch immer die Schlacht und von oben drang leise Musik in herunter.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„ ...widiwidiwie-sie-uns-ge-fälllt ...“ &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;U-Boot-Romeo war ein guter Mensch, dachte  er. Eigentlich schade, dass es ihm auf Grund des Haussklavenstatus  kategorisch verwehrt blieb in Frankas engeren Kopulationszirkel vorzustoßen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Doch die Gesetze waren streng und unerbittlich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Manchmal geradezu gnadenlos.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;                                                               &lt;br /&gt;                                                                                     ***&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/10561958-114031764437513841?l=defizit.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://defizit.blogspot.com/feeds/114031764437513841/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=10561958&amp;postID=114031764437513841' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/10561958/posts/default/114031764437513841'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/10561958/posts/default/114031764437513841'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://defizit.blogspot.com/2006/02/liebe.html' title='liebe'/><author><name>joe milla</name><uri>http://www.blogger.com/profile/18218330153412588692</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-10561958.post-111548754717080539</id><published>2005-05-07T10:37:00.000-07:00</published><updated>2005-05-07T10:39:07.180-07:00</updated><title type='text'>Wassili</title><content type='html'>Wassili&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wassili drehte sich einmal um die eigene Achse, nickte Olga zu und trat durch den 150 Jahre alten Rundbogen des Biedermeierdurchhauses. Sein Arsch steckte in hautengen, kasachischen Schweinslederhosen. Olgas Mittelfinger klebte an Wassilis Steißbeinfortsatz.&lt;br /&gt;Sie folgte ihm eine halbe Armlänge hinterher. Nach fünfzig Metern blieben beide stehen. Olgas zinnoberrotes  Haar mäanderte über die blütenweissen Schulterblätter während ihre langen Finger nun über Wassilis Rückgrad gespannt nach oben krabbelten. Wirbel für Wirbel erklommen sie Wassili,dessen Augen wie Suchscheinwerfer über den Innenhofplatz wanderten. Drei Cafeterias hatten mehrere Dutzend Stühle draussen. Alle brechend voll mit Bohemiens, Adabeis und touristischer Laufkundschaft. Es war Mitte Juli und das Thermometer zeigte 112 Grad Fahrenheit im Schatten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wassili versuchte unscheinbar zu wirken.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sie hatten damals zwei Wildschweineber verarbeiten müssen um genügend Leder über Wassilis Arschbacken spannen zu können. Im Alter von 15 Jahren war er in der Lage mit blossen Armen einem Ziegenbock das Genick zu brechen. Ein Jahr später holte er sich den kasachischenTitel im Schwergewichtsringen und hörte erst 4 Jahre danach  zu wachsen auf. Da mass er vom Scheitel zur  Sohle 2 Meter und  8 Zentimeter und wog   130 Kilorgramm. Ein paar Pfunde sind seither dazu gekommen. Wiewohl Wassili fit war wie ein in den Boxen schnaubender kasachischer Kampfbulle.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Also Wassili versuchte unscheinbar zu wirken.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Trotzdem hafteteten  mitlerweile 45 Augenpaare wie Superkleber an ihm. Was in etwa der augenblicklichen Gesamtpopulation des Innenhofes entsprach. Langsam schob Wassili die Hand unter den Revers seines Gucci XXL Sakkos. Limitierte Spezialanfertigung. Seine Sonnenbrillen fixierten die Eingangstüre einer Trattoria die auf florentinische Weine spezialisiert war. Olga blickte an Wassilis rechter Schulter vorbei und fokusierte den&lt;br /&gt;pinguinfarbenen Oberkellner des kleinen Cafes schräg gegenüber. Ihr Leopardenstringshirt steckte straff in der blutroten Kunstlederhose, aus deren Schläuchen 13 cm lange schwarze Lackabsätze wucherten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das einzige was sich augenblicklich bewegte war eine fettgefressene Taube die versuchte einen buttergetränkten Croissantkrümmel aus einer Kopfsteinpflasterritze zu fischen. Nach mehreren vergeblichen Versuchen kippte sie vornüber, erbrach und blieb liegen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;”Ich habe etwas”, flüsterte Wassili ohne den Blick vom  Trattoriaeingang  zu nehmen.&lt;br /&gt;”Was meinst du?” hauchte Olga zurück. Sie höhlte den Rücken und drückte etwas irrritiert ihre Handteller an die unteren Lendenwirbel. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;                                                                                   *&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Olga strich sich etwas irritiert  mit den grünen Fingernagelspitzen durchs Haar, bemüht, den Blick indifferent streunend  zu halten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;”Du hast ... WAS ?”&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;”Ich habe etwas”, sprach Wasili,  gläsern in die entgegen gesetzte Richtung schauend.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;”Wasili”, hauchte Olga,  ”WO bist du ??”&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;”Ich bin hier, inmitten dieses Innenhofs, ich heisse Wasili und ich HABE etwas” &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wasili entschlüpfte -ganz abrupt und ohne Vorwarnung -  seinem raubkatzenähnlichen Muskeltonus und federte mit gerunzelter Stirn an den ersten freien Tisch um sich in kryptischer Entrückung auf einem Thonetimitat zu platzieren.  Er schnippte nach einem kleinen Mocca.. Olga blieb zurück als eine extravagante Version der Frau Lot, unfähig eine Homo Sapiens würdige Handlung zu setzen. Die Luft war zum Schneiden dick und mächtige Lagunen aus Achselschweiß tropften apathisch auf die glühenden Pflastersteine.&lt;br /&gt;Wasili streckte die Beine, zog seine Mudwinkel in die Breite, ballte die Finger zur Faust und liess ein kasachischen Fluch folgen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dann herrschte   betretenes Schweigen.&lt;br /&gt;Allgemein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;”Ich HABE etwas, aber ich BIN nichts” sagte Wasili schließlich , während der Kellner vorsichtig den Kaffee am Tisch plazierte, Wasili kurz in die Augen blickte, innerhalb von Sekundenbruchteilen erbleichte und mit unerhört raumgreifenden Scherenschritten  das Weite suchte.&lt;br /&gt;Mitlerweile  stand Olga vor ihm, noch immer stumm wie ein Fisch, doch immerhin.  Sie spielte mit ihren Fingernägeln und schien einen Zuckerstreuer zu fixieren, der lieblos und verkrustet in der  Tischmitte stand. Im gesamten Innenhof war es jetzt so leise, dass ein sich hinter dem Ohr kratzender Hund nur knapp an einem Lärmerregungsmandat vorbeigeschrammt wäre.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Olga verharrte so eine gute Minute.  Das Kunstleder klebte wie Harz an ihren Schenkeln.Sie nahm die Sonnenbrillen herunter, putzte sie hektisch mit dem String-Shirt, setzte sie wieder auf. Das mehrmals hintereinander. Dann begann sie tief und gleichmässig zu atmen. Ganz tief und ganz gleichmäßig. Immer tiefer - immer gleichmäßiger. Als sie den gleichzeitig tiefsten und gleichmässigsten Punkt erreicht hatte, hielt sie den Atem an.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Olga drehte sich langsam zu Wasili. Ihre Pupillen waren nicht größer als Stecknadelköpfe und wer  genau hinschaute sah ein hauchdünnes Zucken im Unterkiefer. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;”DUU-hast-unsere-Tarnung-auffliegen-lassen” brüllte sie geradezu erruptiv. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dass schaudernde Echo hüpfte mehrmals über die  Innenhofwände und alle 45 zuckten synchron zusammen. Es war ungeheuer schwierig, denn jede nicht konformistische Handlung schien hier und jetzt unmöglich. Zum Beispiel aufstehen und gehen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Wasili lehnte sanft  und bestimmt in dem Thonetimitat, ohne Olga in die Augen zu sehen. Er griff wieder in die Sakkotasche und holte ein handtellergrosses Gerät heraus. Es hatte eine gewisse Ähnlichkeit mit Fernsteuerungen von Spielzeugautos. Wasili lächelte jetzt. Seine Unterarme lehnten entspannt auf den Oberschenkeln. In den Fingern  lag verspielt das Gerät.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;”Wir hatten nie eine Tarnung.” sagte er.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;                                                                    *&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;72 Sekunden später spuckte eine gewaltige Druckwelle eine komplete Sitzeckbank, mehrere Fischernetze, ein halbes dutzend rote Barstühle, eine Bierzapfanlage, dreiQuadratmeter Spiegelwandbruch, einige eher dunkelgekleidete Menschen und dergleichen in den Innenhof unseres Durchhauses.&lt;br /&gt;Sie erinnern sich an die Trattoria die auf florentinische Weine spezialisiert war?&lt;br /&gt;   &lt;br /&gt;Nun war der Bann gebrochen. Konformismus hin oder her. Die Menschen strömten in Scharen in alle Richtungen. Also einige zumindest. Viele lagen ja etwas irritiert, betäubt oder ramponiert in der Gegend herum.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wassili und Olga saßen noch immer unverändert auf ihren Stühlen. Er nahm die Sonnenbrillen ab, schlüpfte aus seinem Gucci XXL lehnte sich noch weiter zurück und begann ein Liedchen zu pfeiffen. Vermutlich eine kasachische Volksweise.&lt;br /&gt; Olga kratzte derweil mit den Schuhspitzen Achterschleifen auf das Kopfsteinpflaster. Sie wirkten beide höchst unbeteiligt in diesem augenblicklichen Meer voll Chaos.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dann drehte sich Wassili zu Olga.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;”Blume in der geborstenen Mauer,&lt;br /&gt;Ich pflücke dich aus den Mauerritzen,&lt;br /&gt;Mitsamt den Wurzeln halte ich dich in der Hand&lt;br /&gt;Kleine Blume - doch wenn ich verstehen könnte&lt;br /&gt;Was du mitsamt den Wurzeln und alles in allem bist&lt;br /&gt;Wüsste ich, was Gott und Mensch ist”&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;”Kennst du das? Es ist  von einem Engländer namens Tennyson. 19 Jhdt.”&lt;br /&gt;Olga schüttelte nur den Kopf und kratzte weiter Achterschleifen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;”Und das ?&lt;br /&gt;Wenn ich aufmerksam schaue.&lt;br /&gt;Seh´ich die Nazuna&lt;br /&gt;An der  Hecke blühn.”&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;”Japaner namens Haiku. 17 Jhdt glaub ich.”&lt;br /&gt;”Schön” sagte jetzt Olga. ”Du kennst schöne Gedichte”&lt;br /&gt;”Es sind die einzigen zwei die ich kenne.”&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;”Ah !”&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;”Aber das erste gefällt mir nicht. Weil der Typ die Pflanze mit den Wurzeln ausgerissen hat. Dieses vereinnahmed gierige Schwein. Deshalb machte ich mich auf die Suche nach einem zweiten Gedicht mit einer Blume. Aber einem, in dem die  Blume überlebt”&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;”Oh !”&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein Versicherungsvertreter mit stark versengtem Haupthaar kroch etwas verstört auf allen Vieren an ihnen vorbei, wobei er mehrere zerknüllte A 4 Zettel zu umklammern versuchte. &lt;br /&gt;Er schien irgendeinem archaischen Versicherungsvertreter-Urinstinkt zu folgen der in etwa folgendes  beinhaltete: was auch immer geschehen mag, sammle danach die bereits unterzeichneten Polizzen ein,ansonsten kann sich das negativ auf deinen Multiplikator auswirken. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wassili krallte seine Finger sanft in das versengte Versicherungsvertreterhaar&lt;br /&gt; und zog die bleiche und etwas zerkratzte Visage ganz nahe an Olga heran, so dass sie sie aus einer Handtellerlänge begutachten konnte&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;”Er z. B. mag Tennyson” sagte Wassili.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;”Ach Ja?” &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wassili lächelte wissend, seufzte tief und brach ihm mit einer seeligmachenden Bestimmtheit das Genickn..&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;                                                             *&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aus der Ferne war eine wüste Ansammlung von Folgetonhörnern zu hören.Olga deutete etwas gelangweilt auf die Uhr. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wassili erhob sich, zentrierte ein letztes mal seine 2.08 Meter im Innenhof, nickte zufrieden und folgte Olga über die Treppen hinab, die ans andere Ende des Durchhauses führten..  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;”Eigentlich brauch ich gar nichts zu HABEN um Mensch zu SEIN. Irgendwie hab ich das Gefühl, ich sollte mich in Zukunft um völlig andere Dinge kümmern. Immer nur Sprengsätze und all das Zeug, das durch die Luft fliegt. Ist ja völlig bescheuert. Vielleicht sollte ich mal einige Monate fischen gehen. Habe gehört das soll beruhigen und die Identität stärken.”&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;”Fischen? Meinst du?”&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Olga blieb vor einem Bistrofenster stehen. Das Lokal war natürlich leer, nur das Besitzerduo stand hinter der Bar. Beide telefonierten aufgeregt und deuteten hektisch  auf geborstenes und zersplittertes Inventar. Sie stieg durch das glaslose Fenster und blieb direkt vor ihnen stehen. &lt;br /&gt;Tschuk - Tschuk. &lt;br /&gt;Zwei dumpfe Knaller später kasm Olga beim Eingang wieder raus. Mit einer Flasche Bacardi unter Arm.&lt;br /&gt;Sie deutete mit dem Daumen über ihre Schultern nach hinten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;”Fans von Tennyson” &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;”Oh !”, meinte Wassili und nickte verständnisvoll.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;                                                              &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;                               * *  *&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/10561958-111548754717080539?l=defizit.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://defizit.blogspot.com/feeds/111548754717080539/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=10561958&amp;postID=111548754717080539' title='2 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/10561958/posts/default/111548754717080539'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/10561958/posts/default/111548754717080539'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://defizit.blogspot.com/2005/05/wassili.html' title='Wassili'/><author><name>joe milla</name><uri>http://www.blogger.com/profile/18218330153412588692</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>2</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-10561958.post-111343130777028768</id><published>2005-04-13T15:25:00.000-07:00</published><updated>2005-04-13T15:28:27.780-07:00</updated><title type='text'>rotbart</title><content type='html'>Rotbart&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Da hier, da kannst du geben. Da  gibtst du was du willst. Das ischt alles o.k.!“, meinte der alte bärtige Mann und schielte ein wenig ferngesteuert unter seinem Latino Strickkäppchen hervor. Um mir gleich darauf ein halbvolles kleines Joghurtglas, das offensichtlich mit  zergatschten Bananen gefüllt  war, unter die Nase zu reiben. Da stand, auf urinfarbener, klebriger, selbstbeschrifteter Etikette: 4 Euro.&lt;br /&gt;„Gibst du einfach hier rein. Ja da. Was du willst. Das ischt dann o.k“&lt;br /&gt;Daneben reihten sich noch 3  halbvolle Joghurtgläser dieser Art mit eher kryptischen Inhalt. Gerüchten  nach enthielt eines von ihnen Dattelschleim.&lt;br /&gt;Der Alte nannte sich Rotbart und war zweifelsohne nicht von hier.&lt;br /&gt;Eigentlich war er auch nicht wirklich alt. 53, wie sich herausstellte. Auch sein Bart war nicht rot. Eher grau. Und er trug eine Wolke süßsäuerlichen Dampfes mit sich herum.&lt;br /&gt;Wenn er ging hob er niemals die Beine. Er schlurfte vielmehr wie ein Langläufer in seinen zerfransten Filzpantoffeln durch die ehemalige Bananenlagerhalle.&lt;br /&gt;Er schlurfte wie ein Langläufer, der einen Kombinationscocktail aus synthetischen uppers und downers eingeworfen hatte. Apathie und Vielsprech in trauter Gemeinsamkeit.&lt;br /&gt;An den Wänden hingen ein gutes Dutzend Aquarellbilder. Immerzu rotgelborange Sonnenuntergänge, Palmen und Meer durchwürzt mit Science Fiction artigen Palastanlagen und Indianerkopfmasken. Darunter wieder klebrige, teils verunzelte Etiketten auf denen zumeist 50 oder 70 Euro gekritzelt war. &lt;br /&gt;Vorne, an der großen Doppelflügeltüre, die zur Straße hinaus führte, hatte er seinen Altar aufgebaut. Kurzwaren aller Art, wie Messer, Löffel, verkrustete Teller und Tassen, Farbtuben, Pinsel,  Papierrollen, Kerzenständer, ein Gaskocher mit einem 5-Liter-Kessel drauf, Teile von Ohrenkakteen, Spiritus, Streichhölzer, ein Schlachtermesser das in einem Schraufstock eingespannt war und so Sachen lagen da. Das Ding war zum Bersten voll.&lt;br /&gt;Und der Alte schlurfte immerzu durch die Bananenlagerhalle. Auf und ab und hin und zurück. Dabei sprach er  überaus unzusammenhängendes teils verborgen spirituelles teils dämonisches Zeug. Meist ging es dabei um irgendwelche Berber die vor langer Zeit hier versehentlich gestrandet waren. Sie sahen alle aus wie an Demens leidende Indianer die in Atlantis Urlaub machten. Zumindest auf seinen Bildern.&lt;br /&gt;Der Gaskocher war an.&lt;br /&gt;Im Topf blubberte Wasser mit Suppenwürfelkonzentrat. Rotbart schnitt holländische Paprikawurst aus der kaminrote Lebensmittelfarbe triefte hinein.&lt;br /&gt;Ein neurotischer Welpe torkelte plötzlich im Zickzack durch die Halle und pisste zitternd auf den Steinboden. Ein zweiter Hund lag halbtot in einer Ecke.&lt;br /&gt;Rotbart zündete eine Kerze an.&lt;br /&gt;Der zweite Hund war 19 Jahre alt, blind und taub. Wenn er aufstand lief auch er Zickzack.&lt;br /&gt;Aber das war selten. &lt;br /&gt;Der Alte schob seine Filzpantoffel in eine Ecke. Er zünderte noch eine Kerze an und strich mit den Fingerkuppen über einen dieser atlantischen Urlauberindianderköpfe der goldgelb glänzend aus der Mitte einer Science Fiction Palastanlage blickte.&lt;br /&gt;Er erzählte weiter von den Berbern.&lt;br /&gt;Sie hatten keine Häuser. Sie hatten keine Boote. Sie trugen große Fellunterhosen.&lt;br /&gt;Sie hießen Komantschen oder so ähnlich.&lt;br /&gt;Rotbart schlurfte zum Gaskocher und hob den Topfdeckel. &lt;br /&gt;Alles roch nach Hundepisse. &lt;br /&gt;Dann schloß er die Doppelflügeltüre.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;                                                                              *&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Dorf in dem der Alte wohnte hieß Alojera. Es lag an einem felsig-zerfurchten Steilhang im Westen der Insel. Der Boden war karg und wüstenähnlich. Kein Baum, kein Strauch, nichts. Nur ein paar launisch in die Landschaft  gestreute Dattelpalmen steckten im Boden.&lt;br /&gt;Weiter unten brach der felsig  zerfurchte Steilhang wie eine Trichtermündung ins Meer. Große Bruchfelsen säumten die enge Bucht. Die Wellen zerbarsten aggressiv an den kanrtigen Felsturmruinen. Fallweise darbte eine Ziege vor sich hin oder eine handvoll Hühner blickte aphatisch aus vermoderten Holzkäfigresten. Die Menschen sprachen hier kaum miteinander. Das Leben war hart und entbehrlich. Wer mehr als einmal im Jahr lachte galt als Glückspilz&lt;br /&gt;Als Rotbart vor mehr als 3 Jahren zu ihnen gekommen war hat niemand ihn für ganz dicht gehalten.&lt;br /&gt;Das hat sich bis heute nicht geändert.&lt;br /&gt;Dass dieser Mann eine halbe Bananenlagerhalle angemietet hatte ( für die anderen Hälfte besaß er keinen Mietvertrag) durch deren Dach bei Regen das Wasser tropfte ließ die Menschen mißtrauisch werden. Noch dazu versuchte er auf der Steinwüste rund um das Gelände mondphasenunterstützten Kopfsalat anzubauen. &lt;br /&gt;Er nannte es seinen Zaubergarten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;                                                                                          *&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Heute abend ist Sabine gekommen. Sie hatte sich beim Wandern ein wenig verlaufen und hier Unterschlupf gesucht.  Nun waren wir zu siebent in dieser Bananenlagerhalle. Hartmut, Viola, 3 Kinder – nennen wir sie der Einfachkeit halber L, ß und Gamma – Sabine und ich. Seit Sabine hier war versuchte der Alte mit allen Mitteln seinen Pissegeruch zu übertünchen. Er klatschte sich literweise Kölnischwasser ins Gesicht, kämmte seine letzten Fettsträhnen nach hinten und streifte einen mexikanischen Poncho über. Das Ding war wohl mehrere Jahrzehnte alt. Möglicherweise ein Relikt aus der mexikanischen Revolution.&lt;br /&gt;Rotbart machte den Eindruck als würden jetzt die Amphetamine seines Cocktails zu greifen beginnen. Er hatte bis dato nichts über 5 kg heben können. Das mussten alles wir machen. Nun hörten wir ihn ächzend ein Doppelbett über den PVC-Boden seiner Schlafkemenate  schieben, auf dem tagsüber die Hunde lagen. Kein Zweifel – Sabine hatte offenbar das große Los gezogen: der Alte wollte vögeln. Wenn auch mit einer äußerst unkonventionellen Realisierungsstrategie.&lt;br /&gt;Der Suppentopf brodelte nun seit 4 Stunden vor sich hin. Das Suppenwürfelkonzentrat hatte alles gegeben wozu es zu geben im Stande war. Und die kaminrote Lebensmittelfarbe der holländischen Paprikawurst war entdgültig aus den Wurstteilen gewichen. Sie waren mitlerweile schwarz.&lt;br /&gt;So der Alte zufällig wieder mal am Topf vorbeikreuchte betrachtete er bedeutungsschwanger seine Gewürzsammlung. Sie bestand aus Salz. Dabei nickte er, als würde  eine graduelle Ergänzung zum Pythagoräischen Leersatz seine Ganglien durchfluten und sagte:&lt;br /&gt;„So, s‘ischt gleich soweit. Die Guanchensuppe!“&lt;br /&gt;Als ich ihn fragte, woraus eine Guanchensuppe denn bestünde, meinte er:&lt;br /&gt;„Ja, was ist in einer Guanchensuppe drin?“&lt;br /&gt;Ich modifizierte meine Frage.&lt;br /&gt;„Was, als was genau gibt man in eine Guanchensuppe hinein?“&lt;br /&gt;Er drauf:&lt;br /&gt;„Ja, was ist in einer Guanchensuppe drin?“  &lt;br /&gt;Das Spiel wiederholte sich etwa fünf mal. Dann gab ich auf.&lt;br /&gt;Diese Berber, von denen er die ganze Zeit phantasierte waren – wie sich inzwischen herausgestellt hatte – natürlich keine Komantschen, sie hießen präziser gesagt GUANCHEN.&lt;br /&gt;Etymologisch sah das so aus:;&lt;br /&gt;GUAN hieß in der alten Berbersprache Sohn.&lt;br /&gt;CHINECHI – Teneriffa.&lt;br /&gt;Also in etwa: Söhne Teneriffas.&lt;br /&gt;Wir befanden uns auf Gomera. Egal, die Zusammenhänge waren offensichtlich sehr komplex. Die Suppe trug jedenfalls ihren Namen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Inzwischen war es 11 Uhr nachts, der Mond stand voll am Himmel und zwischen Orion und großem Wagen schien ein kleiner Stern zu explodieren. L, ß und Y schliefen auf einem zusammengeschusterten Lattenrost und feuchten Matratzen in einer halboffenen Gerümpelkammer. Schräg über ihnen klaffte das Loch in der Decke aus dem Wasser tropfte wenn es regnete. Die einzige brauchbare Matratze hatte der Alte ihnen wieder weggenommen. Um seine Schlafkemenate besser präparieren zu können. Wo er dann saß, in Poncho und Kölnischwasser getränkt, auf einem mit Plüschtieren dekorierten Bett und Litaneien an Berbergewäsch dahinsabberte. Diesmal in der freudigen Erwartung danach Sabine vögeln zu dürfen die an seinem Fußende hockte.&lt;br /&gt;Ich hatte Fieber. Vielleicht 38,7 oder 38,8.&lt;br /&gt;Ich bilde mir immer ein mein Fieber auf 10tel Grade schätzen zu können. Das macht aber möglicherweise das Fieber.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wo ist Sabine?“, fragte ich Hartmut. Er deutete auf Rotbarts Kemenate. „Seit über einer Stunde.“&lt;br /&gt;„Das gibt es nicht“, sagte ich. „Kein Mensch der alle Tassen im Schrank hat hält es mit diesen Typen da drinnen länger als 5 Minuten aus. Die Frau kann nicht ganz dicht sein.“&lt;br /&gt;Harmut zuckte mit den Schultern. Er war erst vor wenigen Stunden hier gelandet und mit der Situation etwas überfordert. Grundsätzlich lag es in seiner Natur nur das Beste zu wollen. Aber was war hier das Beste? Diese eigenartige Insel einerseits, diese bizarre Bananenlagerhalle andererseits, dieser kryptische alte Typ und diese befreundete Spezies von schwer durchschaubaren Patchworkfamilienbruchstücken die ihm glauben machen wollte, mit diesem Ort hier das große ökonomische Los gezogen zu haben. Weil keine Miete und 3 Wochen frei wohnen in Aussicht standen.  Sofern dieser Guanchensuppenpapst am nächsten morgen wirklich seinen Arsch nach Barcelona verpflanzen sollte.&lt;br /&gt;Und jetzt war auch noch Sabine gekommen. Und niemand wußte so recht ob das letztendlich gut oder schlecht sein würde.&lt;br /&gt;Viola saß etwas zerschlagen auf der einzigen Couch in der Halle. Sie war stark erregt und offensichtlich ziemlich am Anschlag.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Ich finde das ist echt ein Witz“, wiederholte sie immerzu. Und warum man sich ständig von irgendwelchen Psychopathen tyranniseren lassen müsse.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber Viola hatte begonnen zurück zu schlagen: sie blickte abgrundtief mißachtend an ihm vorbei wann immer sich ihre Wege kreuzten. Obwohl er  noch gestern angeboten hatte ihr zu zeigen, wie man guanchisches Bananemus fabriziert. Aber als er heute den Kindern verbot, aus Palmwedelstauden eine Hütte zu bauen, weil sie sich  auf einem geheiligten  Schweineschlachtplatz befanden da war es endgültig vorbei.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Ja“, meinte Hartmut,  „es gibt hier nicht wirklich einen Platz“. Dabei meinte er, dass man nicht einfach dahin oder dorthin gehen konnte um dieses oder jenes zu machen. Alles  war überreguliert und durchcodiert..&lt;br /&gt;Z.b. stand in der Mitte der Halle ein knorriger alter Dornbusch.&lt;br /&gt;Das war sein Weihnachtsbaum.&lt;br /&gt;Es war verboten ihn zu berühren oder gar zu verrücken&lt;br /&gt;Er stand genau dort wo man sich zwischen einem Tisch und 3 desolaten Sesseln durchzwängen musste.&lt;br /&gt;Streifte man dabei den Dornbusch – was die Regel war – hatte das schwere Schürf- und Kratzwunden zur Folge. Zuweilen sogar stark blutende.&lt;br /&gt;Und dann brüllte er auch noch herum, dass man seinen heiligen Baum nicht berühren sollte. Er meinte, es wäre eine Dattelpalme. &lt;br /&gt;Ich war mir da  nicht so sicher.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mein Fieber pendelte jetzt zwischen 39.0/39.1 – da war ich mir sicher. &lt;br /&gt;Zeit schlafen zu gehen.&lt;br /&gt;Ich nahm ein halbvolles Glas Orangensaft, füllte es mit Tequilla auf und suchte mir einen Platz neben L,ß und Gamma.&lt;br /&gt;Als das Glas leer war füllte sich mein Kopf an wie ein unbeleuchteter Halloween-Kürbis.&lt;br /&gt;Das letzte was ich hörte war Sabine, die aus Rotbarts Kemante herauskam.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;                                                                                             *&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Ja, ja – ich habe einen körpersprachlichen Fehler gemacht, es war ein körpersprachlicher Fehler“. Hartmut stand zu einem Fragezeichen gekrümmt in der Tür, beide Handteller nach oben gerichtet. Seine Augäpfel quollen weit aus den Höhlen und die Pupillen waren tellergroß. Es war ein schrecklicher Anblick. &lt;br /&gt;Ich wollte in ein Bett, nur in ein Bett. Aber ich war in einem Bett. Nur stand da Hartmut mit diesen herausquellenden Augäpfeln vor mir. Und in der großen Halle stand Rotbart vor der verschlossenen Eingangstüre, fuchtelte  mit einem großen Fleischermesser herum, brüllte stoßweise und erleuterte dann lang und breit daß ihn seit über 30 Jahren niemand angegriffen habe und daß er dieses Schwein jetzt stechen werde. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich hatte keine Ahnung wie spät es war. &lt;br /&gt;Es war auch egal. &lt;br /&gt;Ich stand da wie ein nasser Kartoffelsack.&lt;br /&gt;Alles tat weh.&lt;br /&gt;Nur konnte ich es nicht spüren. &lt;br /&gt;Das  war das Fieber&lt;br /&gt;Gott sei dank hatte ich Fieber. &lt;br /&gt;Es machte gelassen und apathisch.&lt;br /&gt;Ich steckte mir eine Zigarette an.&lt;br /&gt;Meine Knie wurden weich.&lt;br /&gt;Ich setzte mich auf einen Stuhl.&lt;br /&gt;Was für eine Szene.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rotbart fuhr damit fort, daß er Hartmut nicht totstechen werde. Er werde ihn nur so tief stechen, daß ihn die Ärzte gerade noch hinbekämen. Ein wenig in die Schulter oder in die Oberschenkel vielleicht. Dabei deutete er auf sein versifftes Fleischermesser und sagte immerzu: &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Du spiel dich nicht - ich sags dir du“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das klang sehr melodisch.&lt;br /&gt;Zuerst ein tiefes „du“ und  dann langsam rauf bis zum „nicht“ dann stufenweise hinunter bis zum „dir“ und als Draufgabe ein ein helles „du“, daß nach hinten abfiel.&lt;br /&gt;Jemand, der an so einer Satzmelodie klebt blockiert seine inneren Impulse. &lt;br /&gt;Er tritt auf  einem quasi-rhetorischen Stand.&lt;br /&gt;Es ist wie einatmen und ausatmen.&lt;br /&gt;Rauf und runter rauf und runter. &lt;br /&gt;Da ist alles schon erledigt noch bevor es begonnen hat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn jemand z. b sagt: „this is a robbery“, dann hat er am Ende noch nicht mal ausgeatmet. Geschweige denn zuvor großartig eingeatmet. Der hat etwas anderes zu tun. Der muß eine Bank überfallen. &lt;br /&gt;Das macht ihn authentisch.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;L, ß und Gamma schliefen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Viola stand neben dem Dornenchristbaum und stützte die Hände in die Hüften.&lt;br /&gt;Sie war jetzt wirklich sehr böse.&lt;br /&gt;Vor allem ging es ihr um die Diktatur der Psychopathen.&lt;br /&gt;Also, daß irgendwelche ausgeklinkten Typen es immerzu schaffen ihre schwachsinnige und krankhafte Vorstellung von dieser Welt durchzuboxen. &lt;br /&gt;Das fand sie erschütternd.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hartmut leugnete strikt die Körperverletzung.&lt;br /&gt;Er hätte Rotbart nur freundschaftlich an die Schultern gefaßt.&lt;br /&gt;Zur Beruhigung.&lt;br /&gt;Worauf der Alte  martialisch seinen Poncho hochhielt und mit der Messerspitze auf eine Stelle deutete die offenbar zerissen war.&lt;br /&gt;Und schließlich wollte er noch 35 Euro.&lt;br /&gt;Weiß der Teufel für was.&lt;br /&gt;Dann zückte er sein Handy und rief mehrmals die Polizei.&lt;br /&gt;Sie kam aber nicht.&lt;br /&gt;Es war ja mitten in der Nacht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Situation schien einerseits völlig außer Kontrolle aber durch die Melodie von Rotbarts  Zaubersatz befanden sich alle in einem sogenannten paritätischen Patt. Die Stimmung schaukelte hoch und wieder hinunter. Aber nichts bewegte sich.&lt;br /&gt;Das hätte Tage so gehen können.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nur Sabine sagte und tat gar nichts.&lt;br /&gt;Sie saß auf dieser durchgeknutschten rissigen Kautsch und blickte erhaben zu Boden.&lt;br /&gt;Das war nicht ihr Niveau.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mir persönlich fehlte aber der Zugang zu Sabine.&lt;br /&gt;Hartmut nicht.&lt;br /&gt;Er hatte richtige Kamingespräche mit ihr geführt.&lt;br /&gt;Deswegen war Rotbart ja ausgerastet.&lt;br /&gt;Weil Hartmut sein  Berbergewäsch alt aussehen hat lassen. &lt;br /&gt;Hartmut war auch viel niveauvoller als der Alte Stinkbär.&lt;br /&gt;Toleranter und distinguierter&lt;br /&gt;Und was für ein Zuhörer.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber ich, also ich hatte keinen Zugang zu Sabine.&lt;br /&gt;Sie war nicht sehr lustig.&lt;br /&gt;So knöchern und herb.&lt;br /&gt;Phasenweise sogar ein wenig seelig.&lt;br /&gt;Um dann gleich wieder knöchern zu werden.&lt;br /&gt;Sehr reduziert mit geringer mimischer Bandbreite.&lt;br /&gt;Aus Frankfurt am Main..&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und Sabine war es auch, die irgendwann aufstand ihren Wanderrucksack packte und ging. Fast teilnahmslos. Auf und davon. Sabine hatte schon 2 Stunden in des Alten Schlafkemenate hinter sich. Auch das war an ihr vorrüber gegangen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sie verließ diese traurige Bananenlagerhalle zur gleichen Zeit wie Hartmut.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir, der Rest, verließen sie 4 Stunden später.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als wir mit unseren Isomatten und Schlafsäcken durch die Doppelflügeltüre stolperten war der Topf mit der Guanchensuppe stark verkrustet. Richtig braunschwarz.&lt;br /&gt;Draußen dämmerte der Morgen. Trotzdem konnte man das Sternenmeer am Himmel noch gut erkennen. Der kleine Stern zwischen Orion und großen Wagen schien noch immer zu explodieren während das ganze Sternbild kopfüber am Horizont ins Meer zu stürzen drohte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein wenig dahinter lag Amerika.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;                                                              *&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hartmut ist nicht gestochen worden. Er lebt heute im südl. Burgenland wo er versucht Struktur in sein Leben zu bringen. Er hat beschlossen mit der Fremde abzuschließen und eine ortsansässige Volksschullehrerin geheiratet. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Sabine verließ 5 Tage später die Insel und kehrte in ihren alten Job als Sozialarbeiterin zurück. 2 Jahre später starb sie an einer Überdosis Schlaftabletten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Viola flog Monate nach diesem Zwischenfall mit ihren Kindern nach Wien zurück. Sie fand eine sanierungsbedürftige aber billige Altbauwohnung  und  begann eine Shiatsuausbildung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Kinder besuchten ohne Traumatas weiterhin ihre Schulen und Kindergärten. Sie haben das Erlebte großteils als Burleske verarbeitet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Alte selbst verließ an besagtem morgen – nachdem er noch schnell einen Taxifahrer mit Sonderwünschen in den Wahnsinn getrieben hatte – die Insel Richtung Barcelona. Um Frieden mit seinen Kindern zu machen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er ist dort niemals angekommen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;                                                              ***&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/10561958-111343130777028768?l=defizit.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://defizit.blogspot.com/feeds/111343130777028768/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=10561958&amp;postID=111343130777028768' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/10561958/posts/default/111343130777028768'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/10561958/posts/default/111343130777028768'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://defizit.blogspot.com/2005/04/rotbart.html' title='rotbart'/><author><name>joe milla</name><uri>http://www.blogger.com/profile/18218330153412588692</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-10561958.post-111290211339477709</id><published>2005-04-07T12:27:00.000-07:00</published><updated>2005-04-07T12:28:33.400-07:00</updated><title type='text'>josef</title><content type='html'>Josef&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Josef stieg langsam herunter. Ast für Ast. Der Wind blies ziemlich heftig durch die Baumkrone und Josefs schulterlanges, dunkles Haar verfing sich immer wieder im  kleinen Geäst der Zweige.  Zuletzt trennten ihn nur mehr eineinhalb Meter vom Boden. Er hielt ein letztes mal inne.  Josef fühlte sich vollends emanzipiert wenn auch seine DNS zu 98,5 % identisch mit der eines Schimpansen war. Doch er besaß eine Eigenschaft die unglaublich war: Josef vermochte über sich selbst nachzudenken. Obwohl: dass behaupteten die Schimpansen auch. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Josef haderte mit ihnen seit Jahren darüber. Stundenlang hatte er auf Ästen sitzend verbracht. Immer wieder, mit ausgetüftelten Argumentationsketten auf sie eingeredet. Dass sie keine Möglichkeit der Selbstreflexion hätten und einzig den physischen Grundbedürfnissen verhaftet wären. Das machte die Schimpansen zornig. Einige Männchen begannen die Zähne zu fletschen und sich auf die Brust zu schlagen. Und da hakte Josef jedesmal ein: seht ihr, beschwor er sie händeringend, dass ist es. Ihr könnt einfach nicht anders. Das sind  die 1 ½ Prozent. Während ich ruhig zu argumentieren versuche, mich in euch reinversetze, meine eigene Position in Frage stelle, grüble und immer danach trachte die Vernunft über alles siegen zu lassen, habt ihr immer diese archaische Ich-oder-Du-Position. Dieses rickedizick- ist-die-Fresse-dick-Ding.  Dass ist einfach, wie soll ich`s sagen, na einfach pri-mi-tiv ! Ich glaub, ihr kommt da schlichtweg  nicht drüber“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Schimpansen wurden meist daraufhin noch wütender und jagten Josef  an das untere Ende eines langen Astet wo er sich notdürftig ein Quartier errichtet hatte. Manchmal schlugen sie ihn auch oder bissen ihn ins Gesäß. Josef war ein Aussenseiter. Ohne Zweifel. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber jetzt fehlte nur mehr ein kleiner Sprung. Während einen Steinwurf  von ihm weg  sich zwei Schimpansenmännchen um ein Weibchen prügelten, einige Leopardenschmiere standen und andere sich gelangweilt in der Sonne wälzten stand Josef  vor dem symbolisch bedeutendsten Sprung seines Lebens. Obwohl er nicht wusste was in eigentlich wirklich erwarten würde. Alles was er sah, war die unendliche Weite dieser subtropischen Hochebene. Er atmete mehrmals tief durch, schloss die Augen, spreizte die Arme zur Seite und stieß, möglicherweise das erste mal in seinem Leben, einen gewaltigen Schrei aus.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Schimpansenhorde verstummte augenblicklich. Sogar die beiden Männchen, die sich gerade ineinander vebissen hatten, lösten sich und blickten zu Josef in die Baumkrone. Es war jetzt ganz still. Selbst der Wind hatte aufgehört zu wehen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und dann sprang Josef.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er landete, federte wieder weg, rollte mehrmals über die Schulter und kam  auf den Beinen zum Stehen.. Breiter fester Stand.  Dann strecke er wie elektrisiert die Arme zum Himmel, ballte seine dünnen Finger zu Fäusten und brüllte: Ich – bin – ein – verdammter – Homo ......&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Die Schimpansen fixierten ihn mit offenen Augen. Keiner rührte sich. Jetzt wollten sie es wissen. WAS war Josef? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Josef  verlor an Spannung, begann zu stottern. Ich bin ein .. äh, ein .. Homo ... ein äh  Homo ...&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er hatte das scheiß Wort einfach vergessen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;                                                                            *&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;4 Tage später torkelte Josef mit aufgesprungenen Lippen durch das halbhohe Steppengras. Die Schimpansenhorde war ihm gefolgt. In einem Respektabstand von mehreren Hundert Metern. Seit vier Tagen gab es nur mehr eine Frage: WAS war Josef ?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Irgendwie schien er den Faden verloren zu haben. Auch die Handhabbarkeit des Alltags war zu einer enormen Bürde angewachsen seit er die Baumkrone für immer verlassen hatte. Josef befand sich auf der verzweifelten Suche nach sich selbst und sein ehemaliger Clan befand sich ebenfalls auf der Suche nach Josefs Selbst. Josef wusste natürlich – dank der 1 ½ % - dass auch der Schimpansenclan auf der Suche nach sich selbst war und er nur das Objekt ihrer Selbstfindung darstellte. Und dass sich dieser Erkenntnisprozess weit weg von dem Ich-oder-Du-Level befand. Doch was in diesem Augenblick weit schlimmer wog:  keiner der Schimpansen dachte daran, Josefs physische Grundbedürfnisse zu stillen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sie hatten Josef, den ewigen Aussenseiter, für immer verstoßen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In der Nacht vom 4. Auf den 5. Tag begann er zu halluzinieren. Er träumte von einer Frau. Einer Homo ... äh ... Dingsbummsfrau. &lt;br /&gt;Obwohl Josef noch nie so eine Frau gesehen hatte, hatte er eine Vorstellung davon, wie sie aussehen könnte. Das Haar strähnig und wüst über Schultern und Brüste. Die Lippen voll und die Zähne weiss. Die Augen dunkel, glänzend und bestimmt.&lt;br /&gt;Kräftige Beine und Arme. In der Bewegung aber viel weicher als die Schimpansen.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er räkelte sich am Boden, fuhr immer wieder mit den Fingern durch seine Haare. Sein Körper fühlte sich an als wäre alles geschwollen. Als wär es ein fremder Körper, nicht seiner. Selbst das Gras unter ihm war ganz schwammig. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Josef sah einen Wasserfall und ein Becken in das er glitt. Seine langen Haare trieben auf der Wasseroberfläche während er gierig trank, auftauchte, wieder trank. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dann verlor er das Bewusstsein.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;                                                                         *&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Als Josef wieder erwachte war es stockdunkel. Seine Lippen aber fühlten sich feucht an und in seinem Mundwinkel glaubte er Essensreste zu spüren. Und er spürte etwas warmes an seinem Rücken. Seine Finger tasteten vorsichtig nach hinten. Haare. Warme, weiche Haare. Er drehte sich zur Seite und sah Fragmente von Konturen eines Körpers. Es war der Körper einer Schimpansenfrau. Sonste herrschte völlige Stille. Der Himmel war schwarz und wolkenverhangen. Die Schimpansenfrau atmete ruhig und gleichmässig. Josef beugte sich über sie und sah, dass ihre Augen leicht geöffnet waren. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Er wagte sich kaum zu rühren. Er verharrte in der über sie gebeugten Position einige Minuten lang, &lt;br /&gt;Er hörte die Luft aus ihren Nasenlöchern strömen. Zuweilen leckte sie sich mit der Zunge  nachdenklich über die Lippen. Ihr Blick verlor sich dabei im braunschwarzen Dunkel des Steppengrases. Bis sie schließlich ansatzlos aber bestimmt sagte:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Oh Josef, ich habe dir ein wenig zu essen und trinken gebracht. Und zwei mal mit dir geschlafen. Weil du der Intelligenteste von uns bist  und ichs einfach wissen wollte -&lt;br /&gt;du weißt, die 1 1/2 Prozent. Aber die anderen dürfen davon nie erfahren.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Josefs linker Unterarm, auf den er sich die letzten Minuten gestützt hatte, knickte harsch ein.  Josef klatschte zurück auf den Rücken.&lt;br /&gt;Er glaubte  Sterne zu sehen, wo augenblicklich keine Sterne waren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Du hast zweimal mit mir geschlafen weil ich dir Intelligenteste bin ??“    &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Ja“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eine leichte Brise säuselte über die beiden hinweg.&lt;br /&gt;Josef tastete nach seiner Körpermitte. Sein Penis war feucht und klitschig. Als er ihn berührte schoss das Blut sofort wieder in die Eichel und aus der Magengrube jagte ein warmer kribbeliger Strahl hinüber zu den Lendenwirbeln und die Wirbelsäule hoch.&lt;br /&gt;Josef versuchte irgendwie Haltung zu bewahren obwohl die Stimmbänder auszusetzen begannen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Du musst dir darüber keine komplizierten Gedanken machen“, sagte schließlich die Schimpansenfrau. &lt;br /&gt;„Freunde von uns, die  Bonobos, schlafen  bei jeder Begrüßung miteinander. Und das mehrmals täglich. Zwar nur ganz kurz und sie kommen dabei nicht, aber immerhin.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Josefs Schwanz war jetzt prall angschwollen und er atmete flach und  stossweise aus der Magengrube heraus. Seine Finger krallten sich langsam und bedächtig  in das Kopfhaar der Schimpansenfrau die ihren Arm unter seinem Rücken liegen hatte. Eine kleine, sanft ruckartige Bewegung ihrer Hand genügte und Josef lag wieder auf ihr. Sie presste die Unterschenkel dicht an sein Gesäß und sein Gesicht an ihren Hals. Josef   saugte ihren Körpergeruch in schnellen tiefen Zügen durch die Nase. Er vermochte  nun nichts mehr zu denken. All seine Empfindungen pendelten zwischen  unsagbarer Lust und archaischer Wildnis. Dann zog sie ihn in einem haltlosen Sinnesrausch fast widerstandslos in sich. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Während sie mit ihren Becken langsam, geradezu tänzelnd zu kreisen begann und sein Gesicht  noch tiefer in ihren Hals drückte fanden Josefs Lippen den Weg zu ihren haarigen Ohrläppchen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Weißt – du –  ...“, stöhnte Josef, während sein Körper  vibrierte und er Sekunden davor stand endgültig den Verstand zu verlieren , „ ... ich glaube die 1 ½ Prozent machen nur, dass ich glaube über mein Denken nachdenken zu können. Und sie bewirken &lt;br /&gt;einzig und allein eine Handvoll deprimierender Fragen für deren Beantwortung die 1 ½ Prozent wiederum einfach nicht ausreichen.“ &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Schimpansenfrau presste Josef jetzt so intensiv an sich, dass er meinte sich augenblicklich in ihr auflösen zu müssen. Die Bewegungen der beiden wurden ein wenig schneller. Aber nur ein klein wenig. Beinahe von einer extatischen Perestaltik erfüllt, die beide von den Fußsohlen weg, über die Arschbacken aufwärts die Wirbelsäulen oszillieren ließ. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Josef versuchte noch den einen oder anderen Gedanken zu fischen. Doch der Wind hatte zugelegt und fegte dermaßen  staubig über das Steppengras hinweg, dass mit ihm auch die letzten potentiell hirnakrobatischen  Krabbelversuche Josefs gleichsam fortgespült wurden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Josef“ brüllte schließlich die Schimpansenfrau.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Oh Josef!“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Spürst du ...&lt;br /&gt;die 1 ½ Prozent ...&lt;br /&gt; Nich-tig-keit ??!“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und Josef nickte, den Kopf weit nach hinten geworfen, den Mund aufgerissen und die elfenbeinfarbigen Zähne blitzend in die Nacht gefletscht.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;. ***&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/10561958-111290211339477709?l=defizit.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://defizit.blogspot.com/feeds/111290211339477709/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=10561958&amp;postID=111290211339477709' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/10561958/posts/default/111290211339477709'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/10561958/posts/default/111290211339477709'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://defizit.blogspot.com/2005/04/josef.html' title='josef'/><author><name>joe milla</name><uri>http://www.blogger.com/profile/18218330153412588692</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-10561958.post-111149238995723434</id><published>2005-03-22T03:51:00.000-08:00</published><updated>2005-03-22T03:53:09.963-08:00</updated><title type='text'>warum?</title><content type='html'>Warum ?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Warum nur?  Warum mußte es dieses kleine Holzhaus, hinter der großen Gebirgskette sein?&lt;br /&gt;Waren nicht genügend andere Holz- und Bauern-, Zweit- und Blockhäuser im Angebot gewesen? Aber ja, ja.  Hinter der großen Gebirgskette war natürlich alles billiger. Viel billiger.&lt;br /&gt;Darum fuhr ich  jetzt auch auf die große Gebirgkette zu.  &lt;br /&gt;Deshalb &lt;br /&gt;. Na klar.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Aber gut, gut. Ursprünglich war das natürlich nicht so gedacht gewesen. Also eigentlich wollte ich die Stadt nie  verlassen. Wozu auch?  In der Metropole gab es alles, was der Mensch benötigte. Arbeit und Geld. Kultur und Unterhaltung. Nacht- und Tagleben. Kauf und Rausch. Anonymität.&lt;br /&gt;Und natürlich, last but not least: die Kunst. Oh, ja. Besonders die. Sie durchzog die Stadt wie eine Seidenraupe, lauerte an allen Ecken, um einen zu umgarnen, zu verführen und emporzuheben, in das Reich impulsiver Sensibilität. Oder manchmal auch darüber hinaus. Und im Bereich der impulsiven Sensibilität(bzw. dahinter) erntete ich meine Scheine. Deshalb, aus all diesen Gründen: Hut ab vor dem häuserbepflanzten Betonteppich, der nachts leuchtet. &lt;br /&gt;Aber nun schluß, schluß.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es wurde mir klar, neben all der Betonteppichhymnen, daß einige Quadratmeter Grünland mein Wohlbefinden heben würden. Ich war jetzt Anfang 40 und hatte die schleichende Vermutung, die Passstraße langsam nach unten zu fahren. Es heißt zwar, daß man das mit dem selben Gang macht, den man zum Hinaufklettern verwendet, doch ab jetzt herrschte primär eine Sorge: nicht zu schnell zu werden. Hört man.&lt;br /&gt;Nur, daß dies eine unabdingbare Notwendigkeit sein sollte, auf die Bremse zu steigen, schien mir nicht einleuchtend. Kontrolliertes Tempo versus notorisches Bremsen. Also muß man den wirklich immerzu alle Begriffe in den Fruchtsaftmixer stülpen? Blos um den Einheitsbreirotor aufzugeilen? Ich hatte einfach nur das Gefühl, zu wissen was mir gut tat. Immer der Situation angepasst. Wenn es augenblicklich Grünfläche  hieß, nun, dann war es eben das! Vielleicht hieß es morgen Helikopter, und - warum nicht -  mit 60 Brandungswellensurfen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Immerhin - augenblicklich ging es aufwärts. Ich genoß es, Kehre für Kehre nach oben getragen zu werden während links und rechts die wachsenden Schneefelder wie eine Ansammlung hingerotzter 500 Watt Scheinwerfer leuchteten. Der Himmel war blau, die Luft kalt und klar und der Zigarettenanzünder glühte nach 10 Sekunden, wann immer ihn jemand in seine Vorrichtung stupste. Ich war mehr als zuversichtlich.&lt;br /&gt;Schön, schön.&lt;br /&gt;Ich ließ mich nochmals kurz in eine reflexive Reflexreflexion fallen, sozusagen als Absicherung, Stärkung und Belebung dessen, was auf mich zukam.&lt;br /&gt;Also: Warum tat ich das was ich tat? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Na weil die Preise günstig lagen. Und ich offenbar Grünfläche brauchte. Und günstige Preise plus Grünfläche gabs eben hinter der großen Gebirgskette. Und deshalb fuhr ich da jetzt hin, als ernsthafter Interessent der ein erkanntes Bedürfnis zu befriedigen suchte und sich aller Rahmenbedingungen im klaren war. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wohlan, wohlan. &lt;br /&gt;Das war die Probe zum Rechenschritt. Der Balanceakt zwischen warum und darum. Das Yin Yang meiner Innenwelt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;                                                      *&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es war wunderbar, wunderbar.&lt;br /&gt; Ein schlichtes, zweistöckiges Holzhäuschen. Das Fichtenholz war im Laufe der Jahre in Ehre pastellfarben nach unten gedunkelt und strahlte wohlig warm in den späten Spätherbstnachmittag. Keine Nachbarn, nur Wald und Wiesen-, bzw. richtiger gesagt: Almflächen. Ein Idyll per Excellance.    &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Doch dies war nur der erste Blick. Der nächste Schwenk galt  Tatjana.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tatjana. &lt;br /&gt;Ich hatte sie Anfang der 90er für etwa ein Jahr lang gemanagt. Sie ist Solo-Performerin. Also das stimmt eigentlich nicht, obwohl  TAT/J  Orbit - in allen Posen,&lt;br /&gt;Formationen und Erscheinungen - immer nur aus irgendeinem Konterfei-Mix Tatjanas bestanden hat..  &lt;br /&gt;Tatjana trat damals mit einer intelektualisierten Sadomasonummer auf, wobei die undankbare Rolle des Masos einem  portugisischen Cellisten namens Enrique zugeschrieben war. Enrique war überaus unkompliziert und befolgte seine Order, sich sinnlich-euphorisch in Alban Berg Klangwelten zu ergehen während Tatjana ihn dabei launisch mit lackierten, aus Draht gebogenen, kopfgroßen Goldbuchstaben bewarf,  ohne Widerspruch. Auch die Szene, wo Tatjana ihm sein Cello ausspannte, indem sie sich über eine 8 Meter lange Bühnendiagonale lasziv kriechend zu diesem hinleckte, ihre Zungenspitze durch eine künstlich angebrachte Öse am Cello fädelte und das ganze Ding dann extatisch aufzusaugen begann, quittierte Enrique jedesmal in danksagender Mine mit einer mehrminütigen Hintergrund-Tanzperformance, die hauptsächlich aus Tango- und einigen New-Dance-Elementen bestand. Das beide schlußendlich nackt, vor einer Struwelpeterausgabe  in dialektalcrashenden  Logokrüpploiden - wie sie Tatjana zu nennen liebte - endeten, das Buch szenisch anspielten, konterkarrierten und sich schließlich  in abstrakten Hymnen an  die Grabsteine geschriebener Wörter ergingen, war wohl der Grund, warum sich das Ding so gut verkaufte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt; Ja, ja.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Schlußsequenz lief dann auszugsweise etwa so(Struwelpeterausgabe - eine Armspanne von ihnen weg - aufgeschlagen, sie beide in amphibienartigen, geknechteten Verrenkungen, halb stöhnend, halb betend und zwischendurch geradezu beschwörend ...)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sie:  So laß`uns fluschen, durch das Quadrat der  löchrigen Suppenzwetschke; mein saugsamer Phasenderwisch.!&lt;br /&gt;Er:  Dem Teller, so flach sein Musitschek auch sein mag, leck ich das Pischilatschki, bis meine Krummsäbelkreuze sich aneinanderwetzen.&lt;br /&gt;Sie:  Maria war`s, diese dekaloge Braut der Zivlinskymühle, deren Odem des Haschhasch die Mäuler aller Hungrigen in Nixstopf-stase versetzte.&lt;br /&gt;Er(in sich verschlungen, zu einem Bündel, schildrötenartig am Rücken liegend): Schwanensee - ! - lebt frei nach dem Klauendarwinismus sphynxischer Schrumpfceribratzkis. Und die Urgroßmutter des Präsidenten platzierte ihren Klaufix genauso derb, als wäre es  der Sand dieser Erde oder ein Poflipuff auf dem Balkon einer Kleingartensiedlung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mein Gott, mein Gott. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Diese Art von Doppelkonference wollte kein Ende nehmen. Obschon mein Kunstbegriff durchwegs konziliant ausgerichtet war, fehlte mir der Zugang zu Tatjanas TAT/J Orbit Eskapaden. vollends. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und nun stand sie da, nach acht langen Jahren, mit silbergrauem Kurzhaar,  goldglänzender Plastikwäsche und bewarb sich für dasselbe Stück Grünland wie ich.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;                                                                    *&lt;br /&gt;”Johannes Gruber, du alter Kulturschnüffler!  Sind dir auch die Abgase durch die Stirnhöhlen entwischt? Ab in die Weichmasse darüber? Alles mal entlüften? Generalservice vor der letzten Etappe?”&lt;br /&gt;”Carlito” - hieß die mediterane Hand, die mir an der Seite Tatjanas entgegenwuchs.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Warum nur?  Der Sonnentag, der sich behutsam und elfenbeinturmartig nach oben geschraubt hatte, ließ mich ohne jede Vorwarnung von der azurblauen Wolke 17 in die seit 30 Jahren ungeleerte Jauchengrube eines burgenländischen Schweinebauern klatschen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der zuständige Bauer war gleichgültig und  überfordert. Seine Frau hatte uns nur ein kurz aufgesetztes Zähneblecken (inklusive massig freiliegender Zahnfleischberge) geschenkt und war gleich wieder im Wald verschwunden, wo sie weiß der Teufel was zu tun hatte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;”We nid de place forrr  expirrrimental drramaturgia and conceptschan ”, bemerkte Carlito lakonisch. Der Bauer nickte in ein schwachsinnniges Grinsen hinein und deutete Richtung Mietobjekt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;”Flusch dir ein Nischnick und häng den Hosenlatz in den Wind, auf daß der Nelkenduft durch die Landschaft der Zylinderköpfe streicht, du stahlgetriebenes Netz aus Marzipan.”&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tatjana hatte sich die letzten Jahre offensichtlich auf dialektalcrashende  Logokrüpploiden spezialisiert, die - so der Wunsch - in jungfräulich- wie natürlichem Ambiente experimentell dramatisiert und konzeptioniert werden sollten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Bauer wollte 3.000  Schilling. So, so.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hinter seinem knorrigen Rücken türmte sich die hohe Gebirgskette, wobei die Fichten zunehmend lange Schatten zu werfen begannen. Der Himmel war auch nicht mehr azurblau sondern mitlerweile weißgrau mit einem Braunstich. Und die Außentemperatur, die einen sommerlichen Spätherbstnachmittag vorgetäuscht hatte, verfiel minütlich nach unten und drohte - so sie diese Geschwindigkeit beibehielt - kaukasische Dimensionen  zu erreichen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;3000  Schilling. ”Obn”, wie der Bauer anmerkte. ”Untn” kostete 2.500. Jeweils mit Küche, Duschkabine und Toilette.   &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Carlito hatte sich mitlerweile auf den fast senkrecht abfallenden Hang hinterm Haus platziert, wo er mit weit abgespreitzten Gliedmaßen und solaplexuszentrierten Kammertönen  offensichtlich Möglichkeiten der experiementellen Dramaturgie und Konzeption auszuloten  versuchte.   &lt;br /&gt;”Meine süße Kammerschnecke”, hauchte Tatjana in Richtung Carlito, nahm meinen Ellebogen, und zerrte mich sanft Richtung Mietobjekt, wobei sie den Bauern in seiner archaischen Derbheit einfach stehen und grenzenlos verwirrt zurückließ.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;An der Schwelle zur Haustüre hielt Tatjana kurz inne.&lt;br /&gt;”Ist es nicht schön hier ?”, sagte sie voll innbrünstiger Lieblichkeit. Wie ich es noch nie zuvor von ihr gehört hatte. Dann trat sie mir mit aller Wucht in die Weichteile.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;”Du dreckiges Arschloch, du nickelbrillentragender Schisma-Hurenbock. Der Arsch deiner Mutter soll in friesischen Frikadellenfett bruzeln, du schneebrunzendes Stück  Scheiße. Wo sind meine  12.000,--   -  du gehirnamputierte, eiternde Weichmasse. `Rück sofort die Kohle `raus, oder ich nagel deine Eier  an die Dreckshütte dieses blut- und bodengeilen Schwindsüchtigen, damit er einmal sieht was Inviromental Art sein kann, duuu.....”&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Derweil die kaskadenartigen Beschimpfungen über mich hinwegfegten, hatte ich bereits den halben Fuß des Türstocks zerbissen, während meine Hände das Hagelgewitter an Schlägen, Tritten und Kratzattacken verzweifelt abzuweheren versuchten. &lt;br /&gt;Als die ärgste Sturmflut vorüber zu sein schien, hatte ich eine Visitenkarte im Mund stecken und eine Botschaft im Ohr: ”Du hast eine Woche, mein stinkender Wüstenbastard. Dann fluscht mehr als nur eine Mäusemietze über das Gaschgasch deiner flagrantösen Armseligkeit. - ciao.”&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Carlito folgte ihr mit selbstverständlicher Gleichgültigkeit. Die Autotüren krachten, weg waren sie.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Bauer stand noch immer wie ein Wildschweineber am Fuße des Hanges, an dem Carlito die experimentell-dramaturgischen Möglichkeiten von Inviromental Art angetestet hatte.&lt;br /&gt;Seine Arme hingen weit nach unten und seine hackbrettartigen, schwieligen Hände waren von mächtigen Adern durchzogen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;                                                                 *&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es war schwer zu leugnen: ich befand mich augenblicklich in einem Bereich impulsivster Sensibilität(mglw. schon dahinter), wenn auch nicht in urbanen Gefilden.  Zumindest was Haut, Knochen und den Rest meiner physischen Wenigkeit betraf. Die Theorie ”Jenseits der 40” werde ich wohl relativieren müssen. Zumindest was den Bereich bergauf/bergab  betraf. Hier ging es nicht um ein Beschleunigen oder Verlangsamen, nicht um mögliche Bremsmanöver oder etwaige kontrollierte Geschwindigkeitsdosierungen. Nein. Irgendjemand muß wohl das gesamte Bremssystem entfernt haben. Hat mir mein Körper geflüstert.  Die Psyche war noch zu keiner Stellungnahme bereit&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Kellner im Gasthof zur Passhöhe, am Rücken der großen Gebirgskette,   hatte mir den doppelten Schnaps und eine Flasche Bier wortlos auf den Tisch geknallt und sich wieder hinter die Bar verdrückt, wo er die offensichtlich konspirativen Gespräche mit zwei Ortsansässigen weiterführte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wenn das der Auftakt  zu Grünfläche war, wie würden sich dann Helikopter und Brandungswellensurven anlassen? Wie sollte ich als ernsthafter Interessent ein erkanntes Bedürfnis befriedigen?  Und wie war das mit der Klarheit der Rahmenbedingungen? Und wohin war dieser unselige portugisische Cellist mit dem letzten Scheck  Tatjanas abgetaucht?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Warum glaubte ich eigentlich mein Leben anreichern zu müssen? Mich mit derbschlächtig ruralen Eingeborenen zu umgeben? Was hatte deren klerikalfaschistisches Wohlbefinden mit dem Yin und Yang meiner Innenwelt zu tun? Warum zum Teufel schloß ich eigentlich  von Tatjanas unkontrollierbarem Gefühlstschernobyl  auf die Unsagbarkeit ländlicher  Ausdrucks- und Artikulationsformen? Wer war ich eigentlich? Und vor allem: wer zum Teufel waren die anderen?&lt;br /&gt;Ich beschloß unendlich kurzfristig, mich grenzenlos zu besaufen. Zu diesem Behufe bestellte ich nochmal dasselbe. Ich spülte die Säfte hinunter und blickte schwermütig durch den Schankraum.Das konspirative Trio erkannte sofort:  der komische Fremde blickt schwermütig durch den Schankraum. Der komische Fremde war offensichtlich komisch. Eigentartig war er, der eigentartige Fremde. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;” 142 Schilling. Wir sperr´n zu”.  Da stand er, wie aus dem Nichts gekommen. Obwohl ich nur einige Sekunden gedankenverloren aus dem Fenster geäugt hatte.  Seine Arme hingen weit nach unten und seine Finger waren so dick wie Weißwürste. Das Gesicht glänzte prall und rot, der Bauch wölbte sich sattsam über die Gürtelschnalle und der  hellbraune Schnurrbarrt ging nahtlos in die Nasenlochbehaarung über. Während er auf das Geld wartete, sah er an mir vorbei, in die dunkle Nacht hinaus.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das war´s! &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Meinesgleichen waren hier jenseitig fremd. Hier war eigentlich alles jenseitig fremd, was nicht von hier war. Und von hier war nicht viel. Und die Menschen hier hatten nichts gegen Fremde, solange die Fremden von hier waren.  VON  HIER.&lt;br /&gt;.&lt;br /&gt;Ich zog eine Pistole und feuerte wie wild durch den Raum, Jonny Walker und Bourbon Flaschen splitterten auf die Schank hinunter, die Puntigammer Bierzapfsäule und der Bauernstubenluster folgten. Ein Querschläger bohrte sich  durch die prallroten  Weißwurstfingerbacken und trat durch den Schnurrbart wieder aus. Alles, einfach alles zerbarst im Kugelhagel bis sich schließlich die letzten Kadaver in  ihren eigenen, heimatlich-vertrauten Blutlachen krümmten. Dann öffnete ich wieder  die Augen. Ein kurzer, ein wunderbarer Traum. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ich stand auf, verabschiedete mich höflich und fluschte mein Pipmik durch den Saugnapf des Unseligen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;                                                                          ***&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/10561958-111149238995723434?l=defizit.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://defizit.blogspot.com/feeds/111149238995723434/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=10561958&amp;postID=111149238995723434' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/10561958/posts/default/111149238995723434'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/10561958/posts/default/111149238995723434'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://defizit.blogspot.com/2005/03/warum.html' title='warum?'/><author><name>joe milla</name><uri>http://www.blogger.com/profile/18218330153412588692</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-10561958.post-110729384579740304</id><published>2005-02-01T13:35:00.000-08:00</published><updated>2005-02-01T13:37:25.796-08:00</updated><title type='text'>defizit</title><content type='html'> WULF&lt;br /&gt;oder: Blut in der Eichel&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wulf stand fest, ohne mit den Augen zu zwinkern.&lt;br /&gt;Wulf kannte sein Spiel.&lt;br /&gt;Langsam und behutsam legte er sein Rückgrad frei, nahm es heraus und warf&lt;br /&gt;es in hohem Bogen weg. Jetzt war er frei. Er schritt geradewegs auf&lt;br /&gt;Häuptling Brauner Stinkmorchel zu.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Häuptling Brauner Stinkmorchel erwartete ihn in vollem Harnisch an der&lt;br /&gt;Spitze des weissen Berges. Um ihn herum scharten sich seine Anhänger. Sie&lt;br /&gt;trugen schwarze, wikingerartige Stahlhelme, braungrüne Uniformen und ihre&lt;br /&gt;Gesichter hingen nach unten, als hätte jemand strategisch wichtige&lt;br /&gt;Mimiknervenstränge durchgeschnitten. Zuweilen sangen sie ein Lied und&lt;br /&gt;schütteten sich dabei gegenseitig literweise Schnaps &amp; Bier über die&lt;br /&gt;Helme. Als Wulf sie alle in ihrer Gesamtheit erspähte, schoss Blut in&lt;br /&gt;seine Eichel.&lt;br /&gt;Die Sonne stand schon sehr tief an diesem Mittwintertag. Die Farben&lt;br /&gt;begannen sich zu verabschieden und wichen grautönig frostiger Kälte.&lt;br /&gt;Brauner Stinkmorchel streckte die Rechte stramm zum Gruss. Etwas zögerlich&lt;br /&gt;erwiderte Wulf die Geste. Er war jetzt ganz allein. Selbst sein Rückgrad&lt;br /&gt;hatte ihn verlassen. Wulf blickte nach oben. Er war nicht sehr gross.&lt;br /&gt;Vielleicht ein Meter achtundfünfzig.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dann liess Wulf seine Hand in die von Brauner Stinkmorchel fallen. Brauner&lt;br /&gt;Stinkmorchel schüttelte sie grob und deftig. Er lachte dabei gröhlend.&lt;br /&gt;Seine Anhänger folgten ihm wie eine Horde Bisons und nutzten die&lt;br /&gt;Gelegenheit, sich Bier und Schnaps über die Stahlhelme zu giessen. Dazu&lt;br /&gt;sangen sie folkloristische Lieder.&lt;br /&gt;"Du siehst Wulf", erhob Brauner Stinkmorchel das Wort, "meine Leute stehen&lt;br /&gt;hinter mir wie EIN Mann.!" Wulf, einst Vertreter der Kleinhändler, dann&lt;br /&gt;der mittleren Händler und jetzt der Grosshändler, nickte stumm.&lt;br /&gt;"Aber deine Leute" fuhr Stinkmorchel fort, " sind voll Gier und&lt;br /&gt;Selbstsucht.&lt;br /&gt;Ein Haufen machtgeiler Frömmler in angewichsten Unterhosen. Dir fehlt ein&lt;br /&gt;Volk, das bereit ist zu bluten."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Brauner Stinkmorchel klatschte in die Hände und grinste Wulf ins Gesicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"So what, Wulf !?"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wulf wischte sich konzetriert über seine Brillenallergikerränder, senkte&lt;br /&gt;den Blick und sprach: “Du bist der Wotan der niederen Triebe.Der Herrscher&lt;br /&gt;über Dumpfheit und Fäuste. Ein Tribun der angstbeissenden Volksseele. Dir&lt;br /&gt;gilt mein grosser Respekt."&lt;br /&gt;"Schön gesprochen", grunzte Brauner Stinmorchel sichtlich geschmeichelt&lt;br /&gt;und liess einen Krug Hopfengebräu die Kehle hinunterrinnen.&lt;br /&gt;"Und wie du so recht gesagt hast, Brauner Stinkmorchel: mir gehören die&lt;br /&gt;Potentaten in angewichsten Unterhosen. Ihr Führer heisst Globolus Maximus&lt;br /&gt;und ist ständig auf der suche nach VOLK. Er lässt gerade eine neue Münze&lt;br /&gt;prägen, um noch aggressiver und mächtiger Handel treiben zu können. Damit&lt;br /&gt;will er seine edelsteinernen Paläste vervielfachen. Für sich und seine&lt;br /&gt;Potentatenkaste.&lt;br /&gt;Dazu braucht er Unmengen Lakaien und einen dienstbaren Stab von&lt;br /&gt;Untertanen, die ihr Blut für diese Münze geben. Ansonsten wäre sie nichts&lt;br /&gt;wert, so sagt er."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Har, har, har"- röchelte Brauner Stinkmorchel und schlug sich auf die&lt;br /&gt;Schenkel.&lt;br /&gt;Es war nun stockfinster geworden. Nur wenige Fackeln erhellten den weissen&lt;br /&gt;Berg. Stinkmorchels Anhänger schütteten sich weiterhin vergorene Säfte&lt;br /&gt;überdie Helme und in die Kehle während ihr Führer offensichtlich&lt;br /&gt;elementaresverhandelte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wulf streckt jetzt beide Handteller nach oben und blickte Brauner&lt;br /&gt;Stinkmorchel das erste mal in die Augen, wobei seinem Mundwinkel ein&lt;br /&gt;Sabbertropfen entwich.&lt;br /&gt;"Und wenn du, also wir, ihm genügend willfähriges VOLK liefern, so&lt;br /&gt;verspricht er uns Ländereien und Positionen von höchstem Einfluss. Nur&lt;br /&gt;sind meine Potentaten für diese Zwecke ungeeignet. Sie werden nichts geben&lt;br /&gt;für die Münze, da sie selbst Paläste wollen. Und mein frömmlerisches&lt;br /&gt;Fussvolk ist nicht genug an der Zahl, um Globolus Maximus zufrieden zu&lt;br /&gt;stellen. Doch wenn wir uns zusammen tun ..." - Wulf hob verführerisch die&lt;br /&gt;Stimme - "dann , mein kleiner Prinz ..." - grunzte Braune Stinkmorchel und&lt;br /&gt;liess seine derbe Pranke auf Wulfs zarte Schulterblätter krachen " ...&lt;br /&gt;stehst du endlich&lt;br /&gt;ganz oben und kannst dir einen runterholen - har har har. ..."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Stinkmorchel grunzbrüllte so laut dass seine Anhänger extatisch mit&lt;br /&gt;einstimmten, sich auf die Stahlhelme schlugen und eine gehörige&lt;br /&gt;Extraportion über die Schädel gossen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Aber ..." - und jetzt wurde Stinkmorchel bedrohlich ernst und zischelte&lt;br /&gt;wie eine Schlange in Wulfs Ohr ".. das kostet. Und ausserdem muss ich mir&lt;br /&gt;eine neue Geschichte ausdenken. Denn soviel Blut haben die noch nie&lt;br /&gt;gespendet."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und Wulf wakelte mit blutgefüllter Eichel neben Brauner Stinkmorchel den&lt;br /&gt;weissen Berg hinab.&lt;br /&gt;"Vielleicht", wisperte er zaghaft, "erzählst du Ihnen, sie wären lange&lt;br /&gt;Jahre rücksichtslose Prasser gewesen und müssten das jetzt alles wieder&lt;br /&gt;gut machen?"&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Har har har" - gröhlte Brauner Stinkmorchel und liess seine Wurstfinger&lt;br /&gt;zwischen Wulfs Schulterblätter donnern.&lt;br /&gt;Dahin, wo kein Rückgrad mehr war.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;°°°°°°°°°°&lt;br /&gt;Aus der Sammlung “Nulldefizit” | http://www.nulldefizit.com/&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eine Anthologie, herausgegeben von Mike Markart und Wolfgang Pollanz&lt;br /&gt;ISBN 3-900965-22-6 | Erscheint im Herbst 2001&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;edition kürbis | http://www.kuerbis.at/&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bitte achten Sie die Urheberrechte!&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/10561958-110729384579740304?l=defizit.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='replies' type='application/atom+xml' href='http://defizit.blogspot.com/feeds/110729384579740304/comments/default' title='Post Comments'/><link rel='replies' type='text/html' href='http://www.blogger.com/comment.g?blogID=10561958&amp;postID=110729384579740304' title='0 Comments'/><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/10561958/posts/default/110729384579740304'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/10561958/posts/default/110729384579740304'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://defizit.blogspot.com/2005/02/defizit.html' title='defizit'/><author><name>joe milla</name><uri>http://www.blogger.com/profile/18218330153412588692</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='16' height='16' src='http://img2.blogblog.com/img/b16-rounded.gif'/></author><thr:total>0</thr:total></entry></feed>
